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Veranstaltungen / Anderes

20 Jahre Urzeitmuseum Nußdorf – Traisental

Jubiläumsfeier in Nußdorf ob der Traisen

Event Kurzinfo

Zeit: 28. April 2013 00:00 Uhr

Ort: Marktplatz 1 3134 Nußdorf ob der Traisen

Veranstalter: Marktgemeinde Nußdorf ob der Traisen Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie

Am 28. April 2013 wurde das 20-jährige Bestehen des Urzeitmuseums Nußdorf – Traisental in Anwesenheit von rund 150 Festgästen gefeiert

Am 28. April 2013 wurde in der Weinbaugemeinde Nußdorf ob der Traisen in Niederösterreich ein rundes Jubiläum gefeiert, das für die archäologische Denkmalpflege in Niederösterreich von großer Bedeutung ist. Der Abgeordnete im niederösterreichischen Landtag, Dr. Martin Michalitsch, würdigte in seiner Ansprache die Leistungen des Museums, der Archäologie und der Gemeinde Nußdorf und überbrachte die Grüße des Landeshauptmanns Dr. Erwin Pröll. Die Grüße der Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Dr. Barbara Neubauer, übermittelten die MitarbeiterInnen der Abteilung für Archäologie.
Am 30. Mai 1993 wurde in Nußdorf ob der Traisen das Urzeitmuseum eröffnet. Die 2007 neu aufgestellte Dauerausstellung "Schätze des Bronzezeit" präsentiert ausschließlich Funde aus Grabungen des Bundesdenkmalamtes im Unteren Traisental. Ausgelöst wurden diese großflächigen Grabungen durch Schotterabbau und Straßenbauprojekte wie etwa die Errichtung der Kremser Schnellstraße 1981. Diese archäologischen Untersuchungen im Traisental, die zeitweise mehrere 10.000 m² umfassten, konnten im Lauf der Jahre durch die gute Zusammenarbeit mit den Betreibern der Kieswerke und des Straßenbaues effizient abgestimmt werden. Es wurde möglich, fast alle bedrohten ur- und frühgeschichtlichen Siedlungen und Gräber vor ihrer Zerstörung zu dokumentieren und die Funde zu bergen. Viele der damaligen Partner und Förderer sind noch heute Unterstützer der Denkmalpflege und des Museums.
Das Spektrum der Exponate reicht über eine Spanne von 30.000 Jahren von Relikten aus eiszeitlichen Jagdlagern bis zu keltischen Kunstobjekten. Im Zentrum der Ausstellung stehen die rund 4.000 Jahre alten Funde aus den frühbronzezeitlichen Gräbern von Franzhausen bei Nußdorf. Hier siedelten, bedingt durch die Lage im Bereich alter Handelswege in einem günstigen Lebensraum, bronzezeitliche Gemeinschaften auf einer weitläufigen, halbinselartig in die Au der Traisen hineinragenden eiszeitlichen Flussterrasse. Von den Siedlungen überdauerten nur Grundrisse der Häuser die Jahrtausende – von den Menschen selbst aber 2.300 Gräber mit teilweise reichen Beigaben. Nicht nur die erhaltenen Objekte aus Bronze, Keramik, Stein, Knochen und manchmal Gold machen die Faszination dieses einzigartigen archäologischen Fundgebietes aus: Bestattungssitten und die Spuren bronzezeitlicher Grabräuber waren für die Archäologen im Boden ebenso lesbar wie für die Anthropologen die Informationen an den menschlichen Skeletten – sie geben Auskunft über Lebensbedingungen, Krankheit, Migrationsphänomene und den Tod in der Bronzezeit. Entsprechende Publikationen in Form wissenschaftlicher Artikel und Monografien unterstreichen auch die internationale Bedeutung der Funde.
Über 75.000 Besucher frequentierten bislang die größte archäologische Dauerausstellung des Bundesdenkmalamtes. Mit Förderungen des Bundes, des Landes, regionaler Institutionen, privater Firmen und der Gemeinde Nußdorf ob der Traisen gelang es, das Urzeitmuseum Nußdorf – Traisental als Veranstaltungsort für Events aus den Bereichen Denkmalpflege, Wissenschaft und Kunst, regionale Themen und Heimatkunde in Niederösterreich zu etablieren. Auch 2013 wird das Urzeitmuseum – wie fast jedes Jahr – am Österreichischen Tag des Denkmals teilnehmen.
Im Rahmen des Festaktes wurde auch eine DVD mit nachbearbeiteten und so geretteten Filmen aus dem Nußdorf der 1950er-Jahre präsentiert. Die Produktion der DVD wurde vom Museum über den Unterstützerverein "Kulturgenuss-Traisental" abgewickelt und von den Museumspartnern großzügig gefördert. Am Beispiel Nußdorf wird deutlich, wie durch eine breite Themenaufstellung – Archäologie und Denkmalpflege, Kunst, regionale Themen – und natürlich viel Engagement auch kleine Häuser außerhalb städtischer Ballungszentren erfolgreich arbeiten können.

 

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