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November

…das blumen Cabinet dabey, welches das schönste so mann in der welt hätte machen können…

Die konservatorische Rettung der Temperamalereien in der Orangerie des Schlosses Schönborn in Göllersdorf ist gelungen, die kunsthistorische Sensation dabei war der Nachweis, dass die Malereien vom bedeutenden Barockmaler Rudolf Byss stammen.

Johann Lukas von Hildebrandt errichtete in den Jahren von 1711 bis 1719 für den Reichsvizekanzler Friedrich Karl Graf von Schönborn Schloss, Garten und Orangerie Schönborn in Göllersdorf.
Es war bekannt, dass sich in den westlichen Orangeriegebäuden, den „herrschaftlichen Sommerzimmern“ Malereien von Jonas Drentwett und wertvolle Stuckaturen erhalten haben. Diese Raumkonzeptionen des österreichischen Barock gehören zu den bedeutendsten im gesamteuropäischen Raum.
In den vergangenen Jahren gelang es, Dächer und Holzdecken der Orangerie zu sichern und spätere Einbauten wieder zu entfernen. In vorerst drei Räumen, dem so genannten „Olympzimmer“, dem mit weißen Stuck ausgestatteten Mittelraum und dem so genannten „Ovidzimmer“ konnten Sicherungs- und darauf folgend Konservierungsarbeiten durchgeführt werden. 2011 und 2012 führte man die Restaurierungen am freskalen Schmuck weiter.
 
Die Göllersdorfer Orangerie bildete den End- und Höhepunkt des barocken Gartens mit den halbrunden Arkadengalerien, die mit dem nicht mehr erhaltenen Triumphtor ein „Teatromotiv“ bilden und zugleich den Blick in die Landschaft freigeben („Belvederefunktion“). Die hier aufgestellten Orangenbäume waren das Symbol für das irdische Paradies, das Wasserbecken davor das Sinnbild des Lebens, und der mythologische Hintergrund, festgehalten in den Figurengruppen und in den bildlichen Darstellungen, sind Requisiten des höfischen Lebens und der Repräsentation des Herrschers. Er umgibt sich mit den Tugenden und Fähigkeiten des Herkules, vernichtet bei der Öffnung der Hesperidengärten den Drachen des Lasters und ebnet so den Weg in das Goldene Zeitalter.
 
Das inhaltliche Programm des Olympzimmers zeigt in der Mitte Flora, umgeben von den thronenden beziehungsweise im Triumphwagen fahrenden Göttern Jupiter, Mars, Venus, Apoll, Juno, Saturn, Diana und Hermes. Der offene Kamin wie die Bemalung der Wände des Zimmers sind großteils verloren. Eine Besonderheit stellt ein kleiner Rest des originalen Kelheimerbodens dar, der mit Sechseckplatten und Rauten, umgeben von einem etwas erhöhten Randfries ausgelegt ist. Zusätzlich haben sich die ursprünglich lasierten Fenster und Türen mit den vergoldeten Beschlägen erhalten. Sie konnten restauriert werden.
 
Dem persönlichen Engagement der Landeskonservatorin, HR Dr. Renate Madritsch, ist es zu verdanken, dass eine kunsthistorische Sensation gelang. Als Schöpfer der bisher Jonas Drentwett zugeschriebenen Temperamalereien im „Ovidzimmer“ – darunter Blumen wie Oleander, Wegwarte und Oliven – gilt nun aufgrund intensiver Recherchen der Barockmaler Johann Rudolf Byss, 1660 - 1738.
Vor der restauratorischen Behandlung der Wandmalereien musste zuerst die Decke saniert werden. Dazu war es notwendig die Beschüttung zu entfernen, Brettschalung und Schilfrohrgewebe zu ergänzen und die Putzhohlstellen mit speziell eingestelltem Schaummörtel zu hinterfüllen. Erst dann konnte die bereits sehr fragile Malerei gereinigt und gefestigt werden. Ein schwieriges Thema stellte die Integration der großen Fehlstellen zu den partiell noch brillant erhaltenen miniaturartigen Malereien dar. Es gelang durch rege wissenschaftliche Diskussion, gemeinsam mit den Restauratoren ein schlüssiges Konzept zur Verbesserung der Lesbarkeit der Malereien ohne Beeinträchtigung ihrer künstlerischen Aussage zu erarbeiten.
Die inhaltliche Konzeption der bildlichen Darstellungen, die sich an den Metamorphosen des Publius Ovidius Naso orientieren, und der botanisch genau widergegebenen Blumen und Tiere bedarf noch intensiver Forschung. Im Reisebericht des Ingenieurleutnants Jacob Michael Küchel von 1737 wird die Orangerie bedeutsam beschrieben … „rechter hand an der Galerie, welche beiderseiths a la Grotesque gemahlt, und das blumen Cabinet dabey, welches das schönste so mann in der welt hätte machen können.“
 
Literatur: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, LXIV, 2010; Heft 3/4

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