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Präsident Wilhelm Georg Rizzi zum letzten ArbeitstagAuszug aus der eben erschienenen ÖZKD 4/07

Der Präsident des Bundesdenkmalamtes, Wilhelm Georg Rizzi, hatte sich zwar eine Festschrift zu seinem 60. Geburtstag verbeten, das  eben erschienene Heft  der ÖZKD mit dem Themenschwerpuntk Barock ist aber doch auch als Hommage an den ausgewiesenen Barockforscher Rizzi zu verstehen.
Die Fotos stammen von der Abschiedsfeier Präsident Rizzis an seinem letzten Arbeitstag, dem 31.3.08

Im Oktober 2007 feierte das Bundesdenkmalamt Präsident Rizzis 60. Geburtstag, im März 2008 wird er zehn Jahre lang Präsident des Bundesdenkmalamtes gewesen sein.

Nach seinem Studium der Architektur, an das er noch eine Dissertation über Johann Lucas von Hildebrandt angeschlossen hatte, begann Rizzi seine Karriere am Institut für Kunstgeschichte und Denkmalpflege der Technischen Universität Wien. Die Tätigkeit als Assistent von Walter Frodl war wohl die ideale Vorbereitung für seine spätere Laufbahn im Bundesdenkmalamt, in das er 1983 eintrat. Im Landeskonservatorat für Wien konnte er das an der Universität nicht nur erworbene, sondern dort auch vermittelte Wissen – eine seiner Lehrveranstaltungen war etwa der „Praxis der Bauforschung“ gewidmet gewesen – unmittelbar in die Alltagstätigkeit eines Baudenkmalpflege-Referenten einbringen. Rizzi hat zahlreiche wichtige Restaurierungen, unter ihnen die bedeutendsten innerstädtischen Barockpalais, betreut und herausragende Projekte – wie etwa die Wiederherstellung der Kapelle des ehemaligen Palais Harrach in der Ungargasse initiiert und umgesetzt. 1991 übernahm Rizzi die neu geschaffene Position des Architekturdirektors und damit die fachliche Aufsicht über bauliche Veränderungen an Denkmalen im gesamten Bundesgebiet. Nach der Pensionierung von Präsident Gerhard Sailer wurde Rizzi 1998 zum Präsidenten des Bundesdenkmalamtes ernannt, womit erstmals seit Walter Frodl wieder ein Fachmann diese Position einnehmen konnte.

Unter Rizzi, der neben seiner Funktion als Präsident auch die Agenden des Architekturdirektors weiterhin wahrnimmt, hat sich nicht nur die Baudenkmalpflege-Kompetenz des Amtes, sondern vor allem auch die Kommunikation mit den Architekten verbessert. Die gemeinsame Sprache ist die Basis für wechselseitiges Verständnis und ein faires Miteinander. Schon die Anfangsphase der Präsidentschaft brachte neue Herausforderungen. Nicht nur war das fachlich einwandfreie und berechenbare Wirken einer Behörde weiterhin zu garantieren, durch die Anfang 2000 in Kraft getretene Novelle des Denkmalschutzgesetzes mussten das längst überfällige Vorhaben einer exakten Definition des bisher nur pauschal „kraft gesetzlicher Vermutung“ geschützten öffentlichen Denkmalbestandes in Angriff genommen und die organisatorischen Voraussetzungen für eine planmäßige Durchführung geschaffen werden. Gleichzeit sollte der „Auftritt“ des Bundesdenkmalamtes in der Öffentlichkeit zeitgemäßer gestaltet werden: Ein neues Logo wurde geschaffen, diverse Informationsbroschüren in Auftrag gegeben und schließlich eine Website gestaltet, die ein ständig aktuelles, lebendiges Bild von der Tätigkeit des BDA vermittelt. Wichtige Elemente dieser Öffentlichkeitsarbeit waren auch das Symposion und die große Festveranstaltung im Marmorsaal des Belvederes, mit der im Jahr 2000 das 150-jährige Jubiläum der staatlichen Denkmalpflege gefeiert wurde. Der Restaurierung und weiteren Nutzbarmachung der Kartause Mauerbach galt das besondere Augenmerk von Präsident Rizzi. Hier sind nun fast alle Trakte in Stand gesetzt und für Zwecke der Abteilungen Restaurierwerkstätten und Bodendenkmale adaptiert. Das Bemühen ging insgesamt dahin, nicht nur die „Spuren-Philosophie“ darzustellen, sondern die Kartause auch in einen präsentablen Zustand zu versetzen, um sie während der Sommermonate der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dieses Konzept ist voll aufgegangen. Seit der ersten, unter dem Motto „Die Kartause öffnet sich“ veranstalteten Ausstellung im Jahr 2001 haben jährlich viele tausend Besucher die Kartause und die wechselnden Ausstellungen besichtigt. Die weiterhin als Schulungszentrum genützte Klosteranlage wandelte sich so zu einem Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, mit dem einem breiten Publikum die Anliegen und Aufgaben der staatlichen Denkmalpflege vermittelt werden konnten. Wie bei der Kartause Mauerbach war es auch bei der Zentrale in der Wiener Hofburg ein wichtiges Anliegen von Präsident Rizzi, die Amtsräume in einen dem Bundesdenkmalamt würdigen Zustand zu versetzen, darüber hinaus konnten hier auch eindrucksvolle „territoriale Gewinne“ erzielt werden. Für Mauerbach wie auch für die Hofburg erschienen jeweils Themenhefte der ÖZKD, die wichtige wissenschaftliche Beiträge zur Baugeschichte dieser beiden dem BDA in besonderer Weise anvertrauten Baudenkmale enthielten.

Es ist eine bemerkenswerte Leistung, dass Präsident Rizzi neben der umfangreichen Leitungstätigkeit weiterhin wissenschaftlich publizierte. Auch außerhalb dieser Zeitschrift erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Arbeiten, die nicht nur von den stupenden kunsthistorischen Kenntnissen des Präsidenten zeugen, sondern auch von scharfem Intellekt und analytischer Kombinationsgabe. Es sind letztlich dieselben Eigenschaften, die ihn, gepaart mit hohem Verantwortungsgefühl, Ordnungssinn und der Begabung zu systematischem Denken, zu einer erfolgreichen Amtsführung befähigen.

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