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Hofrat Dr. Franz Caramelle im Ruhestand Landeskonservator für Tirol 1988 - 2009

Unzählige Leitern bringen den Denkmalpfleger Franz Caramelle nahe ans Original.

Franz Caramelle mit seiner Mentorin Dr. Johanna Gritsch anlässlich ihres 85. Geburtstages, 1997.

Festschrift anlässlich des 60. Geburtstages von Franz Caramelle.

Franz Caramelle war 42 Jahre lang in der Tiroler Denkmalpflege tätig, die er durch 21 Jahre als Landeskonservator mit seiner Persönlichkeit, seinem Engagement und seiner fachlichen Kompetenz prägte.

Franz Caramelle trat am 31. März 2009 in den Ruhestand. Er wurde 1944 in Kitzbühel geboren. Nach der Volksschule in seinem Heimatort Brixen im Thale besuchte er das humanistische Gymnasium in der Angerzellgasse in Innsbruck. Im zwischenzeitlich aufgelassenen Norbertinum des Chorherrenstiftes Wilten fand er eine Heimstätte, die er Zeit seines Lebens in lebendiger Erinnerung behielt.

1964 begann er mit dem Studium der Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck unter den Professoren Otto Lutterotti und Heinz Mackowitz. Eine Vorlesung der damaligen Landeskonservatorin Dr. Johanna Gritsch über die Bombenschäden in Innsbruck und den Wiederaufbau begeisterten den jungen Studenten so sehr, dass er sich um einen Werkvertrag im Bundesdenkmalamt bemühte, mit dem er am 1. Juli 1967 noch vor seinem Studienabschluss ins Amt gekommen ist. 1972 promovierte er mit einer Dissertation über den Bronzebossier Caspar Grass (1585-1674). Der Universität blieb er treu, zwischen 1979 und 2007 hielt er Vorlesungen über die Denkmalpflege, zuerst am Institut für Kunstgeschichte, später am Institut für Baukunst und Denkmalpflege.

Die umfassende Kenntnis des Tiroler Denkmalbestandes erwarb sich Franz Caramelle in seinen jahrelangen Aufnahmen zum Flächenwidmungsplan in den 1970er und frühen 1980er Jahren. Etwa 1000 Objekte wurden in seiner Amtszeit unter Denkmalschutz gestellt, unzählige davon hat er bei Restaurierungen betreut. Die direkte Beschäftigung mit den Objekten und den Menschen, die hinter jedem Denkmal stehen, hat ihn an seiner Arbeit am meisten fasziniert. Kein Denkmal war ihm zu minder und keines zu groß. Auf zahlreiche Großprojekte kann Franz Caramelle mit Stolz zurückblicken, sei es die Restaurierung der Eremitage Maximilian des Deutschmeisters, des Pfleghofes in Anras, des Kreuzganges im Franziskanerkloster Schwaz, des Innsbrucker Domes, der Hofkirche, der Jesuitenkirche, des Grand Hotels in Kitzbühel und zuletzt der Stiftskirche Wilten. Aber auch Widen, Kleindenkmalen, Kapellen, Bauern- oder Bürgerhäuser hat er in seiner langen Tätigkeit erfolgreich restauriert. Durch seine fachliche Kompetenz und Sensibilität in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, Denkmalbesitzern oder der Politik konnten viele Denkmäler der Nachwelt erhalten bleiben. Er verfolgte mit Konsequenz und Konsens stets zielstrebig seine Linie, oft waren Kompromisse die einzige Lösung, um Denkmäler zu erhalten, manchmal war der Kampf um den Erhalt umsonst.

Neben seiner praktischen Arbeit hat Franz Caramelle sein Wissen und seine kunsthistorische Erfahrung in zahlreichen unverzichtbaren Tirolensien und in weit über 100 eigenen Artikeln dargelegt. Daneben gibt er sein Fachwissen zur europäischen Kunst- und Kulturgeschichte seit über drei Jahrzehnten in vielen Vorträgen, Führungen und Kulturfahrten im In- und Ausland weiter. Sein wissenschaftliches Interesse dokumentiert sich nicht zuletzt in der umsichtigen Förderung der Bauforschung in der Denkmalpflege in Tirol.

Mit der Pensionierung von Franz Caramelle geht eine erfolgreiche Ära zu Ende. Seine Persönlichkeit und sein Fachwissen haben die Denkmalpflege in Tirol geprägt und eine ersprießliche Basis für die Zukunft gelegt.

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