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Europäische Auszeichnung für die Stationen der Nordkettenbahnen in Innsbruck

Mittelstation Seegrube, im Hintergrund Bergstation Hafelekar

Talstation Hungerburg, Warteraum

Bergstation Hafelekar von Osten mit den Gipfeln der Nordkette

Eingang zur Bergsteigerstube.

Innsbruck, Talstation Hungerburg nach Fertigstellung 2007.

Türdetail nach Restaurierung.

Mittelstation Seegrube nach Abschluss der Arbeiten, Erweiterung der Wartehalle mit Übergang zwischen Alt und Neu.

Mittelstation Seegrube, Restaurant im Erdgeschoss nach Wiederherstellung des originalen Zustandes.

Mittelstation Seegrube, Speisesaal im Obergeschoss nach Abschluss der Arbeiten.

Mittelstation Seegrube, Aufgang zum Obergeschoss nach Restaurierung.

Mittelstation Seegrube, Türdetail nach Restaurierung.

Bergstation Hafelekar nach Abschluss der Arbeiten nach Wiederherstellung der Eingangssituation.

Bergstation Hafelekar, von Franz Baumann entworfene Originalleuchte nach Restaurierung.

Mittelstation Seegrube, Bergsteigerstube im Erdgeschoss nach Wiederherstellung des originalen Zustandes und nach der Restaurierung.

Am Donnerstag, den 24. Juni 2010 wird der „European Union Prize for Cultural Heritage / EUROPA NOSTRA Award 2010“ in Innsbruck feierlich präsentiert.

Die Bevölkerung kann an diesem Tag mitfeiern – es gibt sensationell günstige Preise für Fahrten bis zum Hafelekar (10 € für Erwachsene, 8 € für Senioren und Studenten und 5 € für Kinder).
Interessante Führungen werden zwischen 13.00 Uhr und 16.00 Uhr halbstündlich bzw. nach Bedarf an der Hungerburg Talstation und der Mittelstation Seegrube kostenlos angeboten:
Dr. Bettina Schlorhaufer (Universität Innsbruck, Architekturfakultät, Institut für Architekturtheorie) würdigt die Entwurfsleistung Franz Baumanns und die herausragende Gestaltung der Stationen, Mag. arch. Hanno Schlögl (Schlögl & Süss Architekten) und Vertreter der Bauleitung Malojer schildern die architektonische und praktische Herausforderung der Adaptierung, Landeskonservator Dipl.-Ing. Werner Jud und Mag. Gabriele Neumann (Bundesdenkmalamt) gehen auf denkmalpflegerische Aspekte der Restaurierung und Modernisierung der Nordkettenbahn-Stationen ein.
Aus knapp 140 eingereichten Projekten wurde die vorbildliche Restaurierung und Modernisierung der Innsbrucker Nordkettenbahn-Stationen mit dem „European Union Prize for Cultural Heritage / Europa Nostra Award 2010” für herausragende Projekte der Denkmalpflege, der Architektur und Städteplanung und der Restaurierung ausgezeichnet.
Die 1927/28 errichtete Nordkettenbahn zählt nicht nur aus seilbahntechnischer Sicht zu den Pionierleistungen alpiner Baukunst. Ihre besondere, bis heute ungebrochene Bedeutung liegt vor allem in der überragenden architektonischen Ausformung der Stationen, der Talstation Hungerburg, der Mittelstation Seegrube und der Bergstation Hafelekar, im hochalpinen Raum oberhalb von Innsbruck. Architekt Franz Baumann gelang vom Einfügen der Gebäude in die topografische Situation bis zur Detailgestaltung der Möbel und Innenausstattung ein architektonisches Gesamtkunstwerk von internationaler Bedeutung.
Schon in den 1990er Jahren zeigte sich, dass die Bahn den technischen Anforderungen nicht mehr entsprach; eine Generalsanierung und damit verbundene Fahrtfrequenzsteigerung war in Diskussion. Mehrere Projekte privater Betreiber, die zum Teil anstelle der Gondelbahn eine Umlaufkabinenbahn mit massiven Veränderungen in den Seilbahnstationen vorsahen, kamen nicht über die Projektierungsphase hinaus. Auch das im August 2004 nach einem internationalen Wettbewerb vorgestellte Siegerprojekt „Nordkettenbahn Neu“ sah zwar die grundsätzliche Erhaltung des Konzeptes einer Seilschwebebahn mit zwei Sektionen vor, plante jedoch aufgrund der geforderten starken Frequenzsteigerung massive Eingriffe in die Bausubstanz der Baumann-Stationen. Durch Einbindung des Bundesdenkmalamtes in das Projekt konnten die Betreibergesellschaft und die Verantwortlichen der Stadt Innsbruck doch noch von der architektonischen Bedeutung der Stationen des Architekten Baumann überzeugt werden, sodass bei der notwendigen technischen Sanierung und Adaptierung größtmögliche Rücksicht auf die qualitätvolle Bausubstanz genommen wurde.
In der Talstation Hungerburg sowie der Bergstation Hafelekar wurden nur mehr geringfügige bauliche Eingriffe für die notwendige Funktionsanpassung vorgenommen. Auf der Mittelstation Seegrube lösten die Architekten Schlögl und Süß die heikle Aufgabe der Erweiterung des Wartebereiches und der Gastronomie in klarer neuer Formensprache mit gleichzeitiger Sensibilität gegenüber dem historischen Bestand.
Die Bauarbeiten begannen Ende 2005, wurden aber trotz extrem schwieriger Bedingungen aufgrund der exponierten Lage der Gebäude in Rekordzeit von der Firma Malojer Baumanagement abgewickelt, sodass die Stationen im Dezember 2006 wiedereröffnet werden konnten. Trotz des enormen Zeitdruckes und knapper finanzieller Mittel gelang es, neben der kompletten Erneuerung der technischen Infrastruktur die Baumann-Stationen in ihrem ursprünglichen Charakter zu bewahren und architektonisch qualitätvoll zu ergänzen, spätere, störende Zu- und Einbauten rückzubauen sowie Originalsubstanz, Ausstattung und Möblierung vorbildlich zu restaurieren.

Die Adaptierung und Restaurierung der Nordkettenbahn-Stationen aus der Zwischenkriegszeit zeigen eindrücklich, dass die Erneuerung der technischen und betrieblichen Infrastruktur nicht im Widerspruch zur Erhaltung und Instandsetzung qualitätvoller Architektur der 1920er Jahre stehen muss. Die Restaurierung der mit den drei Stationen verbundenen Ausstattungsstücke, wie Decken, Böden, Türen, Leuchten, Treppen und Möbel, macht ein Gesamtkunstwerk der Tiroler Moderne von internationaler Bedeutung in einer einzigartigen Bergkulisse wieder in seiner ursprünglichen Konzeption und Geschlossenheit erlebbar.

Links:

http://www.europanostra.org/projects/4/

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