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Ein Bombenschaden
Späte Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges

Die Glasfassade der Bahnhofshalle wird "erstversorgt".

Die Originalverglasung der 1950-er Jahre wurde im Erdgeschoss durch die Wucht der Druckwelle zerstört.

Bis zum Eintreffen der neuen Gläser werden transparente Abdeckplanen die Öffnungen schließen. Der Uhrzeiger ist bei der Detonation ebenfalls weggeschleudert worden. Daher zeigt die Uhr nur noch die Stunden.

Da war die Zeit noch heil (Foto: Bettina Neubauer)

Schaufassade des Hotel Daniel in den charakteristischen Pastelltönen

Foyer, noch mit intakter Originalverglasung

Eine hohe Druckwelle entstand bei der Detonation einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, auf die Bauarbeiter am Grazer Hauptbahnhof am Freitag, dem 25. März, gestoßen sind. Die Folgen: zahlreiche Fensterscheiben und damit die Originalverglasungen des denkmalgeschützten Hotels Daniel sind weitgehend zerstört.

Auch die Verglasung an der Fassade der unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofshalle kamen zu Schaden, der Minutenzeiger der Bahnhofsuhr wurde abgerissen und meterweit auf ein Vordach geschleudert.
Um die Sprengung der 250 Kilogramm schweren Bombe sprengen zu können, wurde die größte Evakuierung in Graz seit Ende des Krieges vorgenommen: In einem Umkreis von bis zu 500 Metern mussten rund 1000 Menschen Wohnungen und Geschäfte sowie Hotels verlassen.
Nach der Sprengung begannen noch während des Wochenendes erste Sofortmassnahmen und Aufräumarbeiten, die zerbrochenen Scheiben des Hotels wurden entfernt und die Öffnungen mit Planen gesichert. Auch bei der Bahnhofshalle wird derzeit die Glasfront mit einer Holzrahmenkonstruktion und einer verstärkten Folie sowie Abdeckplanen versehen. Beim Hotel Daniel wurde vereinbart, an der Außenseite das historische Erscheinungsbild mit den originalen Glashalteleisten wieder herzustellen. Die Innenseiten werden an das historische Erscheinungsbild angepasst. Die Verglasungen an der Terrasse sollen entsprechend dem Bestand repariert werden.

Ein 50er-Jahre-Juwel

Das 1956 neu eröffnete Hotel Daniel ist in seinem gut erhaltenen Bauzustand und seiner für die Entstehungszeit typischen Ausprägung ein charakteristisches Beispiel für ein Bahnhofshotel gehobener Qualitätsklasse der 1950er Jahre. Die markante Loggia-Rasterung des schlichten Baukörpers verdeutlicht die charakteristische Modernität jener Zeit. Das gut durchdachte Raumkonzept erreicht in den öffentlichen Bereichen ohne großen Aufwand eine hohe Qualität und ist sonst ganz der Zeit entsprechend den funktionellen Erfordernissen untergeordnet. Die qualitätvolle Architektur ist nicht nur im äußeren Erscheinungsbild, sondern auch in der inneren Struktur erhalten geblieben.
Dokumente damaliger Gestaltungsvorstellungen bilden erhaltene Baudetails wie das weit auskragende Vordach, der geschwungene Treppenlauf oder die gewölbte Restaurantdecke und Ausstattungen wie die Lichtauslässe im Flachdach, Stiegengeländer, Terrazzoplattenboden in der Halle und originale großformatige Erdgeschossverglasungen mit Türen. Zu jenen Elementen, die die Gestaltungsvorstellungen der 1950er Jahre dokumentieren, sind ebenso die zeittypischen Straßenlaternen entlang der Passage an der Westseite des Objektes zu zählen. Des Weiteren lassen sich am Hotel Daniel Bautechnik, Materialität und Raumkonzeptionen einer auf zweckbestimmte Funktionalität, konstruktive Ehrlichkeit und Sachlichkeit ausgerichteten Zeit ablesen. Die Arbeiten von Georg Lippert können als Rezeption von Modellen der internationalen Moderne und deren Umsetzung in der Nachkriegszeit in Österreich gesehen werden. Seine Architektur stellt einen Neubeginn nach dem Trauma der Kriegsjahre dar und demonstriert Fortschrittlichkeit.
Städtebaulich ist das Hotel Daniel sowohl als wichtiger Blickpunkt am Ende der Annenstraße, worauf architektonisch durch die Ausrichtung der „modernen“ Schauseite reagiert wurde, als auch als südlicher Abschluss des Europaplatzes von großer Bedeutung.

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