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Goldschatz ausgegraben – Befund zerstört

Präsidentin Dr. Barbara Neubauer, BDA; Vizedirektor Dr. Herbert Kritscher, NHM; BM Maria Fekter, BMF

© P. Kolp

von links nach rechts: HR Univ.Doz. Dr. Bernhard Hebert, BDA; Präsidentin Dr. Barbara Neubauer, BDA; HR Dr. Herbert Kritscher, NHM; BM Maria Fekter, BMF; Mag. Georg Schöppl, Österreichische Bundesforste; Mag. Heinz Gruber, BDA; HR Dr. Anton Kern, NHM

Für etwas mehr als einen halben Kilo Gold, in Form von Armreifen und Drahtspiralen, zerstörte ein Sondengeher unersetzliche archäologische Befunde.
 

Weil Fundgegenstände gerade bei der Bergung aus dem Erdboden und auch deren unmittelbare Umgebung bei sachgemäßer Erforschung wissenschaftlich wertvolle Erkenntnisse liefern können, sieht die österreichische Gesetzeslage vor, dass Grabungsgenehmigungen ausschließlich an dafür ausgebildete Fachleute vergeben werden. Daran hielt sich der „Finder“, der mit einem Metalldetektor auf dem Arikogel im Gemeindegebiet von Bad Goisern unterwegs war, nicht.
Er grub den Schatz unsachgemäß und ohne Dokumentation, und auch ohne Genehmigung des Grundeigentümers, der Österreichischen Bundesforste, aus und verwirkte damit das Recht des redlichen Finders auf das Hälfteeigentum an den Fundgegenständen.
Es handelt sich dabei um 5 Paare einfacher Drahtspiralen ohne Nutzungsspuren, die eventuell als Handelseinheiten in Gebrauch gewesen sein könnten, und zwei zusammenhängende Paare von Armspiralen mit kunstvollen Verzierungen. Sie stammen aus der älteren Urnenfelderkultur (etwa 1300-1100 v. Chr.). Während es zu den einfachen Drahtspiralen einige Vergleichsstücke im mitteleuropäischen Raum gibt (darunter auch ein Golddrahtdepot aus dem steirischen Salzkammergut), sind zu den aufwändig gearbeiteten Armspiralen bislang nur einzelne Vergleichsstücke aus Westungarn und Kroatien bekannt. Wie Abnützungs- und Abriebspuren an den beiden Armreif-Paaren zeigen, wurden diese Stücke über einen längeren Zeitraum getragen.
Warum die Goldspiralen verborgen wurden, dafür gibt es aus archäologischer Sicht mehrere Erklärungen: ein Händler oder Handwerker könnte das Gold vergraben haben; da der Fund an einem so exponiertem Ort lag, ist aber wahrscheinlicher, dass es sich um eine Weihe- oder Opfergabe handelte.
Der Goldschatz vom Arikogel wurde unter Leitung des BDA interdisziplinär ausgewertet. Neben der archäologischen Bearbeitung wurden auch chemische und technologische Analysen in Zusammenarbeit mit den Universitäten Wien und Tübingen sowie dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim (D) durchgeführt.
Der Schatz steht unter Denkmalschutz und wurde am Mittwoch, dem 12.10. 2011, von Frau BM Maria Fekter und den Österreichischen Bundesforsten dem Naturhistorischen Museum übergeben.
 

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