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Präsentation der Österreichischen Kunsttopographie Bd. LIXPolitischer Bezirk Neusiedl am See

Band LIX Neusiedl am See

Band LIX
Politischer Bezirk
NEUSIEDL am SEE

Mag. Peter Adam, Landeskonservator für Burgenland sprach über aktuelle Projekte im Burgenland © Roman Stoeger.

Sektionschef des BMUKK Dr. Michael P. Franz, Dr. Anna Schlanitz-Bolldorf, Landtagsabgeordneter Werner Friedl, Bürgermeister von Zurndorf und Präsidentin Dr. Barbara Neubauer (v. l. n. r.) © Roman Stoeger.

Sektionschef des BMUKK Dr. Michael P. Franz, Prof. Anton Lehmden, Präsidentin Dr. Barbara Neubauer und Landtagsabgeordneter Werner Friedl, Bürgermeister von Zurndorf (v. l. n. r.) © Roman Stoeger.

Für die Veranstaltung im Neuen Schloss Kittsee, zu der am 21. März das Bundesdenkmalamt gemeinsam mit der Gemeinde Kittsee einluden, gab es zwei Anlässe: Die Präsentation der Kunsttopographie Neusiedl am See und die Verleihung der Denkmalschutzmedaille an verdiente Persönlichkeiten.

Die Reihe der Österreichischen Kunsttopographie dokumentiert den Kulturgutbestand Österreichs nach geographischen Einheiten. Der vorliegende, mit zahlreichen Abbildungen versehene Band aus der Reihe der Österreichischen Kunsttopographie behandelt die Kunst- und Kulturdenkmale des politischen Bezirkes Neusiedl am See. Der in den 27 Gemeinden des Bezirkes – darunter sieben Nationalparkgemeinden (Welterbe Fertö-Neusiedlersee) – erhaltene Bestand illustriert die künstlerische und bauhistorische Entwicklung der Region bis in jüngste Zeit.
Die Veranstaltung wurde von Dr. Gabriele Nabinger, der Bürgermeisterin von Kittsee sowie dem Landtagsabgeordneten und Bürgermeister von Zurndorf Werner Friedl eröffnet. Präsidentin Dr. Barbara Neubauer sprach einleitende Worte. Mag. Peter Adam, Landeskonservator für Burgenland, informierte über aktuelle Projekte im Burgenland, Dr. Andras Lehne, Leiter der Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung, sprach im Anschluss über die Aufgaben der Kunsttopographie. Die Denkmalschutzmedaillen wurden abschließend in einem Festakt von Herrn Sektionschef Dr. Michael P. Franz vom BMUKK in Vertretung der Bundesministerin an ausgewählte Persönlichkeiten verliehen, die sich durch verschiedene Tätigkeiten große Verdienste um den Denkmalschutz erworben haben. Die Laudationes sprach Landeskonservator Mag. Peter Adam.

Die Denkmalschutzmedaillen wurden verliehen an:

Dr. Anna Schlanitz-Bolldorf, Schloss Kobersdorf
Nachdem Frau Arch. Bolldorf, die Mutter von Frau Dr. Schlanitz, eine der größten und bedeutendsten Schlossanlagen des Burgenlandes, Schloss Kobersdorf, vor dem endgültigen Verfall gerettet hat, ist es nun ihrer Tochter zugekommen, die Substanz mit größtem persönlichen Engagement weiter zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Vom Landeskonservatorat besteht zu Frau Dr. Schlanitz seit vielen Jahren ein enges und äußerst konstruktives Miteinander. In dieser Zeit konnten viele denkmalpflegerische Maßnahmen und spektakuläre Restaurierungen umgesetzt werden.
Da das mächtige Schloss nicht bewohnt wird, sondern neben einigen kleineren Veranstaltungen lediglich primär als „Rahmen“ für die bekannten Sommerspiele dient, ist das intensive Engagement für qualitativ hochwertige und fachgerechte Restaurierungen umso mehr hervorzuheben. Durch die kontinuierlichen Aktivitäten von Frau Dr. Schlanitz erhält das Schloss etappenweise seinen alten Glanz wieder: diese erstrecken sich über die Restaurierung der Hof- und Aussenfassaden, der Freilegung von Wandmalereien im Stiegenhaus und im Adlerturm, bis hin zu archäologischen Grabungen.
Es ist Frau Dr. Schlanitz nicht nur die nachhaltige substanzielle Sicherung ein unermüdliches Anliegen, sondern auch die Positionierung dieses großartigen historischen Kulturgutes in der Bevölkerung.

OAR Wolfgang Meyer
Als Landesbediensteter im Ruhestand war und ist die intensive Beschäftigung mit Kulturgeschichte und Denkmalpflege seine Leidenschaft, sein Lebenselixier.
Schon neben seinen beruflichen Aufgaben im musealen und denkmalpflegerischen Bereich war es sein großes Anliegen, die Kulturgeschichte des Burgenlandes in seinen vielen Facetten aufzuarbeiten und vor allem der Bevölkerung zu vermitteln. Ihm war es schon immer bewusst, dass letztlich die Weitergabe des Wissens an eine möglichst breite Öffentlichkeit eine wesentliche Grundlage für die Erhaltung von Kulturgut darstellt. Ergänzend zur Erkundung des Burgenlandes in diversen Aufsätzen sind es auch die zahlreichen Vermessungsarbeiten von befestigten Anlagen oder auch einem abgekommenen Kloster, die seine faszinierende Bandbereite untermauern. Daneben hat er auch viele denkmalpflegerische Projekte initiiert.
Unermüdlich ist er auch heute mit wissenschaftlichen Publikationen beschäftigt, zuletzt etwa über den Nepomukkult und die Nepomukkapellen im Burgenland, die stets akribisch und genau aufgearbeitet eine wichtige Bereicherung des Schriftentums über das burgenländische Kulturgut darstellen.
Letztlich besteht auch eine besondere, jahrelange Verbindung zum Landeskonservatorat, das oft sehr dankbar auf das Wissen von Herrn OAR Meyer zurückgreifen kann.

Dr. Otto Kiss
Als vor einigen Jahren ein Herr aus Mitterpullendorf im Landeskonservatorat anrief, weil er sich um die Restaurierung eines Bildstocks kümmern wollte, war es noch nicht abzusehen, dass das der Beginn einer jahrelangen, freundschaftlichen Zusammenarbeit war, die vor allem zu einer herausragenden Restaurierung der Pfarrkirche in Mitterpullendorf geführt hat. Wohl nur dem hartnäckigen „Drannbleiben“ des pensionierten Mediziners ist es zu verdanken, dass diese Kirche eine höchst notwendige ästhetische Metamorphose – in Zeiten der geringer werdenden Mittel – erhalten hat. Unermüdlich hat er sich um die Finanzierung bemüht und als Vermittler zwischen dem Denkmalamt, der Pfarre und den Professionisten die Restaurierung maßgeblich mitgetragen und nach Leibeskräften unterstützt.

Andrea und Alexander Almásy-Berger, Bernstein, Burg
Mit beachtlichem persönlichem Einsatz wird die bedeutende Burg und der Geburtsort des weltberühmten „englischen Patienten“ vom Ehepaar Berger-Almásy behutsam erhalten und gastronomisch genutzt. Nur in wenigen Fällen gelingt es wie hier, ein mächtiges historisches Bauwerk, das unter vollkommen anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen entstand, auch heute noch als Denkmal, Wohnobjekt und Herberge behutsam und denkmalgerecht zu behandeln und eine dichte Atmosphäre durch die Verbindung von historischer Bausubstanz, Authentizität und zurückhaltender Reparatur sowie die außergewöhnliche persönliche Betreuung zu erhalten. So kümmert sich das Ehepaar Berger-Almásy nicht nur laufend um die Instandhaltung der Baulichkeiten, indem oft auch selbst Hand angelegt wird, sondern auch um die Verpflegung der Gäste, die höchstpersönlich betreut und sogar bekocht werden. Auf der ganzen Burg Bernstein spürt man den liebenswerten und respektvollen Umgang der Eigentümer mit der Geschichte des Hauses.

Melitta Müller, Karin Eckler, Ilse Hallemann, Zahling, röm. kath. Filialkirche
Vor einigen Jahren haben in der kleinen südburgenländischen Gemeinde Zahling drei Damen „das Heft in die Hand genommen“ und eine sehenswerte Restaurierung der kleinen spätromanisch-frühgotischen Filialkirche zusammen mit dem Bundesdenkmalamt und der Diözese tatkräftig unterstützt. Im Zuge dessen konnte ein für den Denkmalbestand des Burgenlandes bedeutender frühgotischer Malereibestand freigelegt werden. Mit großer Leidenschaft für Ihre Kirche haben sie nicht nur in der Vorbereitungs- und der Umsetzungsphase auf jede erdenkliche Art und Weise mitgeholfen, sondern vor allem auch die so wichtige kontinuierliche Nachpflege samt Erstellung eines Kirchenführers übernommen. Die drei Zahlingerinnen sind darüber hinaus bis heute die „guten Geister“ der Kirche und kümmern sich rührend um alles, was anfällt.

Rudolf und Regina Golubits, Schloss Nebersdorf
Vor Jahrzehnten erwarb Herr Golubits das Schloss Nebersdorf mit der Absicht, es abzutragen und das große Grundstück zu verwerten. Mittlerweile aber sind Herr und Frau Golubits zurecht zu stolzen Schlossbesitzern geworden. Die Erhaltung des Schlosses mit dem bedeutenden klassizistischen Portikus und dem bekannten Festsaal mit der Deckenmalerei von Stefan Dorfmeister ist ihnen zum Lebensinhalt und Lebenswerk geworden. Das Ehepaar Golubits zählt somit zu jahrzehntelangen freundschaftlichen Partnern von bereits mehreren Landeskonservatoren. In engster Zusammenarbeit mit der Familie konnte das in den 1970er Jahren bereits nahezu ruinöse Schloss wieder sukzessive zum Leben erweckt werden, wobei Rudi Golubits unermüdlich selbst zur Stelle war und wohl überall, wo es nur möglich war, selbst zahlreiche Arbeiten übernommen hat.

Gerald Strass, Kittsee, altes Schloss
Niemand hätte geglaubt, dass ein mittelalterliches, bereits großteils zur Ruine verfallenes Schloss, das sog. alte Schloss in Kittsee, von einer Privatperson mit begrenzten finanziellen Mitteln in einigen Jahren wieder so beeindruckend zum Leben erweckt werden kann. Bei jedem Besuch ist man aufs Neue fasziniert und überrascht, wie sich nun die Substanz präsentiert. Auch im ständigen Einvernehmen und in einem äußerst positiven Dialog mit dem Bundesdenkmalamt setzt Herr Strass wieder Stein auf Stein, stellt Dächer wieder her und gibt somit – auch methodisch den denkmalpflegerischen Richtlinien folgend – dem historisch hochbedeutenden Bau seinen Stellenwert zurück.

IVB/ Komm. Rat Günter Buchinger, Dr. Matthias Zachs
In den letzten Jahren kam es durch die Immobilienverwertungsfirma IVB in Eisenstadt zum Ankauf mehrer historischer Gebäude innerhalb des denkmalgeschützten Altstadtensembles. Entgegen der üblichen zu erwartenden Diskussionen hinsichtlich der angeblichen Einschränkungen und Wertminderung durch den Denkmalschutz im Zusammenhang mit Immobilienverwertungen stellte sich heraus, dass Herr Puchinger und Herr Zachs an der Denkmalpflege ungewöhnlich großes Interesse zeigten. Nachdem nun jedes einzelne Haus mustergültig in engstem Einvernehmen und großem Verständnis für die Anliegen der Denkmalpflege restauriert wurde, hat sich eine ausgezeichnete, vorbildhafte Partnerschaft entwickelt.
Herr Buchinger und Herr Zachs haben nicht nur wichtige Bürgerhäuser in Eisenstadt in ihrer Substanz und dem Erscheinungsbild gerettet bzw. wiederhergestellt, sondern haben auch beeindruckend bewiesen, dass der fachlich einwandfreie Umgang mit einem denkmalgeschützten Haus über die Liebhaberei und die Umwegrentabilität hinaus auch ein sehr wohl direkt verwertbares Kapital darstellt.

Prof. Anton Lehmden, Schloss Deutschkreutz
Herr Professor Lehmden kann zweifellos als Retter des Renaissanceschlosses Deutschkreutz bezeichnet werden. Zum Zeitpunkt, als sich der bedeutende Künstler dieses Objektes annahm, stand – wie damals bei vielen derartigen Monumentalbauten im Burgenland – der Verfall schon bevor. Gerade für Denkmale dieser Kubatur war und ist es sehr schwer, Eigentümer mit Sensibilität, Engagement, Wissen um die Wertigkeit der Substanz und letztlich auch den finanziellen Möglichkeiten zu finden. Herr Prof. Lehmden hat nicht nur unermüdlich die Substanz gesichert und behutsam instandgehalten, sondern darüber hinaus dem Schloss auch eine neue künstlerische Schichte hinzugefügt. Aus dem Schloss Deutschkreutz wurde das Lehmden-Schloss mit vom Meister selbst überarbeiteten Räumlichkeiten und Bauteilen sowie einem eigenen Museum – dies aber immer getragen vom Respekt vor der historischen Substanz.

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