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Präsentation der Österreichischen Kunsttopographie Bd. LXDie Kunstdenkmäler der Stadt Graz. Die Profanbauten des II., III. und VI. Bezirkes

Sektionschef des BMUKK Dr. Michael P. Franz, Präsidentin Dr. Barbara Neubauer, Mag. Siegfried Nagl, Bürgermeister von Graz und Dipl.-Ing. Mag. Bertram Werle, Stadtbaudirektor von Graz (v. l. n. r.) © BDA, Foto: Bettina Neubauer

Mag. Karin Derler, Landeskonservatorat Steiermark, Diözesanbischof Dr. Dr. h.c. Egon Kapellari, Präsidentin Dr. Barbara Neubauer, Dr. Christian Brugger, Landeskonservator Steiermark, Dr. Renate Holzschuh-Hofer, Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit (v. l. n. r.) © BDA, Foto: Bettina Neubauer

Mag. Siegfried Nagl, Bürgermeister von Graz, Dr. Astrid M. Wendtner, Stadtbaudirektion Graz, Dr. Renate Holzschuh-Hofer, Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit im BDA, Dipl.-Ing. Mag. Bertram Werle, Stadtbaudirektor von Graz © BDA, Foto: Bettina Neubauer

Die Präsentation des 60. Bandes der Österreichischen Kunsttopographie fand in der Aula der Alten Universität Graz statt © BDA, Foto: Bettina Neubauer

Am 4. Juni 2013 wurde in Graz der Band LX, Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz. Die Profanbauten des II., III. und VI. Bezirkes präsentiert.

Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen (Francis Bacon)

Die Kunsttopographie ist mit der Erfassung des materiellen Kulturerbes ein wesentliches Orientierungsinstrument für Denkmalpflege, Raumordnung, Ortsbilderhaltung, historische Wissenschaften, aber auch Investoren und Politik sowie für alle am österreichischen Kulturerbe Interessierte. Der vorliegende schwergewichtige Band (1039 Seiten, 1169 schwarz-weiße und 16 farbige Abbildungen) wurde, wie seine Vorgänger, auf wissenschaftlicher Basis und am Objekt vor Ort erarbeitet und durchgehend fotografisch dokumentiert. Das große Inventar des österreichischen Kulturerbes, die Reihe Österreichische Kunsttopographie, hat eine lange Tradition: sie ist nun 106 Jahre alt. Der erste Band erschien im Jahr 1907 und behandelte „Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems“, herausgegeben von der „k.k. Zentral-Kommission für kunst- und historische Denkmale.

Methodisch wurden beim Grazer Band mit der Art der Aufarbeitung von historistischer Architektur, die den überwiegenden Bestand in den drei bearbeiteten Bezirken ausmacht, neue Maßstäbe gesetzt. Akribische Archivarbeit stand am Anfang und bildete das Fundament. Als Side-Effekt der jahrelangen Arbeit entstand, quasi nebenbei, die Digitalisierung der Bestände des Grazer Stadtarchivs für die drei bearbeiteten Bezirke. Mit den Überblickstexten zu den einzelnen Straßen ist eine Überschau und Charakteristik der lokalen topographischen Stadteinheiten angeboten, die das Einzelobjekt in ihrem entwicklungsgeschichtlich relevanten Umfeld darstellen und aus dem Kontext heraus ihre Wertigkeit verständlich machen und nachvollziehbar argumentieren - das Um-und-Auf für Unterschutzstellungen und Denkmalpflege!

Dass in den Bänden der Österreichischen Kunsttopographie immer auch wissenschaftlich basierte, aktuelle Überblicke zu den jeweiligen Bearbeitungsgebieten geboten werden, ist leider selbst Insidern der Comunity der betroffenen Disziplinen oft nicht geläufig. Im Grazer Band ist – gegliedert in mehrere Einleitungsartikel - ein Überblick über die Grazer Stadt- und Kulturgeschichte - aus dem Fokus der drei bearbeiteten Bezirke heraus formuliert - angeboten. Die mehr als 50 Seiten umfassende Bibliographie zur Stadt Graz ist sonst nirgends in dieser Vollständigkeit zu finden. Auch das Werkverzeichnis zu den im Buch genannten Architekten und Handwerkern ist für die zukünftige Evaluierung einer eventuellen Denkmalwertigkeit von Einzelobjekten nützlich.

Die Zusammenarbeit mit den Institutionen der Stadt Graz war über die vielen Jahre der Arbeit an diesem Buch sehr gut, speziell mit dem Stadtarchiv Graz und der Stadtbaudirektion Graz, aber auch mit dem Land Steiermark, speziell mit dem Steiermärkischen Landesarchiv.

In unseren jetzigen Zeiten, geprägt von Schnelllebigkeit, Digitalisierung und Datenbanken sowie dem Streben nach Echtzeitprodukten und laufender Aktualisierung von Daten, sind Langzeitprojekte, wissenschaftliche Grundlagenforschung und schwergewichtige analoge Publikationen immer weniger gefragt und auch kaum mehr finanzierbar. Derzeit konzentrieren sich die Ressourcen zur flächendeckenden Erfassung des österreichischen Denkmalbestandes nach der Fertigstellung des Dehio-Handbuches, dessen letzter Band noch in Bearbeitung ist, auf die Implementierung von modernen Datenbanken.

Wie die Inventarisierung des materiellen österreichischen Kulturerbes in der Zukunft bewerkstelligt wird, ist derzeit offen. Die Topographie als Auswahlparameter für Bearbeitungsgebiete ist jedoch kaum mehr zweckmäßig, ebenso wenig wie die langen, durch ewige Ressourcenknappheit bedingten Bearbeitungszeiträume. Dass aber wissenschaftliche Arbeit dabei eine unverzichtbare Voraussetzung bleibt, weil erst durch die fundierte Kenntnis des Bestandes der gesetzliche Auftrag der Erhaltung – Denkmalschutz und Denkmalpflege – möglich ist und durch administrative Listen und Datenbanken keinesfalls dauerhaft zu ersetzen ist, bleibt außer Diskussion.

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