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Geht es dem Klimtfries nicht gut?

Originale Aufstellung in der Secessionsausstellung zum Thema „Beethoven“ 1902

Gegenwärtiger Standort des Beethovenfrieses in der Secession © Oliver Ottenschlaeger

Zustand vor der Restaurierung © BDA

Zustand vor der Restaurierung © BDA

Detail: Künste, Chor und Umarmung © BDA, Foto: Irene Dworak

Detail: Feindliche Gewalten © BDA, Foto: Irene Dworak

Kaum ist die Frage einer Restitution des Klimtfrieses entschieden, werden sofort wieder Zweifel an den konservatorischen Bedingungen des jetzigen Aufstellungsortes angemeldet. Der Fries steht unter Denkmalschutz; daher ist auch das Bundesdenkmalamt (BDA) gefragt. 

Sollte gar eine Gefährdung vorliegen, die – so formuliert es das Denkmalschutzgesetz - nachteilige Veränderungen von Bestand, überlieferter Erscheinung oder künstlerischer Wirkung nach sich ziehen könnte? Nein, eine solche Gefährdung ist nicht erkennbar.

Zur Erinnerung:
Der Beethovenfries wurde im Frühjahr 1902 für die Secessionsausstellung zum Thema „Beethoven“ von Gustav Klimt geschaffen. Unmittelbar nach der Ausstellung wurde er wieder abgebaut, blieb aber dank des Ankaufs durch den Industriellen Carl Reininghaus erhalten. Man zersägte den Fries in sieben Einzelteile, das Teilstück der „feindlichen Gewalten“ wurde erst 1928 in zwei Teile getrennt. Die Zerstückelung, die Lagerungen an verschiedenen Standorten und die damit verbundenen Transporte haben in der Folgezeit zu ganz erheblichen Schäden geführt. Der werktechnische Aufbau des Frieses aus Holzpfosten, Lattenrost, Schilfrohr sowie Putz- und Malschichten – einschließlich Schmuckauflagen an der Oberfläche – bildet ja ein besonders empfindliches Gefüge. Von 1973 bis 1985 wurde der Klimtfries in einem sehr umfassenden und aufwändigen Projekt in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des BDA im Arsenal restauriert. 

Im Zuge der Instandsetzung des Secessionsgebäudes 1985-86 durch den Architekten Adolf Krischanitz wurde ein neuer Standort für den Klimtfries geschaffen: ein eigens angelegter Raum im Souterrain, der in seiner Größe und architektonischen Anmutung dem ehemaligen Ausstellungsraum im Erdgeschoß entspricht und so auch eine historische Verortung erzielt. Im Zuge dieses Projektes wurde eine speziell für den Fries angepasste Haltekonstruktion aus Stahl entwickelt, die im Hinblick auf die vorgegebene Situation in der Secession konzipiert ist.

Und 30 Jahre später? Sowohl die Art der Montierung, als auch die Restaurierungsmaßnahmen haben sich grundsätzlich bewährt. Verschiedene aktuelle restauratorische und technische Untersuchungen geben einen guten Überblick. Zwei gutachterliche Berichte des Vorstandes des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Mag. Wolfgang Baatz, eines ausgewiesenen Spezialisten in Wandmalereirestaurierung, sowie die Untersuchungsergebnisse des Fachreferenten für Wandmalereirestaurierung in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des BDA, Mag. Markus Santner, argumentieren es ausführlich: von einer akuten oder längerfristig zu erwartenden Gefährdung kann nach menschlichem Ermessen derzeit nicht die Rede sein.

Konstruktionsbedingt sind es vor allem zwei Einflussfaktoren, welche ein Gefährdungspotential darstellen könnten: Erschütterungen bzw. Schwingungen sowie Klimaschwankungen, die durch das unterschiedliche Ausdehnungsverhalten von Holz und Putz Schäden anrichten können. Beide Faktoren wurden mehrfach gemessen und es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass Gefährdungspotentiale bestehen. Risse in Putz und Malschicht wären Indikatoren für Schadensdynamik. Die Spezialisten der Wandmalereirestaurierung haben jedoch festgestellt, dass eine neue Rissbildung aus den letzten Jahren nicht erkennbar ist. Das Raumklima erweist sich nach einer weitgehenden Erneuerung der Klimaanlage als stabil, eine Relation zwischen Übertragungen von Bauwerksschwingungen und möglichen Schadensentwicklungen ist nicht belegbar.

Und nun? Zwischen allen Beteiligten wurde bereits 2014 vereinbart, dass ein weiteres Monitoringprogramm für den Klimtfries aufgesetzt wird. Das ist kein Notfallprogramm, sondern entspricht der aktuellen Vorgangsweise der Konservierungswissenschaften. Eine der Grundlagen bildet der Leitfaden zu „Zustandserhebung und Monitoring an Wandmalerei und Architekturoberfläche“, der im Jahr 2012 vom BDA gemeinsam mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe erstellt wurde. Basis für die Definition der Referenzstellen bilden die hoch auflösenden Spezialaufnahmen vom Klimtfries, die 2011 angefertigt wurden. Anhand von Ergebnisvergleichen werden Schlussfolgerungen gezogen, die in Konzepten zur Konservierung, Pflege und Wartung münden (preventive conservation).

Wenn sich an dem einen oder anderen Punkt ein Verbesserungspotential abzeichnet, wird man punktgenau reagieren können. Wenn man die Standortfrage diskutieren möchte, sieht man sich der Herausforderung gegenüber, die konservatorischen Konsequenzen und Risiken aller damit verbundenen Manipulationen geringer zu veranschlagen als die gegenwärtigen konservatorischen Bedingungen. Das könnte schwierig werden.

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