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Eine Achtzigjährige feierte kürzlich Geburtstag

Festakt 80 Jahre Großglockner-Hochalpenstraße in der Salzburger Residenz mit Unterzeichnung des Denkmalpflegeplans. Von links: LH Dr. Wilfried Haslauer (Aufsichtsratsvorsitzender Großglockner Hochalpenstraßen AG), Dr. Barbara Neubauer (Präsidentin Bundesdenkmalamt), LH-Stv. Dr. Gaby Schaunig (Kärnten), Dr. Johannes Hörl (Generaldirektor Großglockner Hochalpenstraßen AG), © Foto: Franz Neumayr – Großglockner Hochalpenstraßen AG

Eröffnungsfeier der Großglockner-Hochalpenstraße 1935 beim Südportal des Hochtortunnels, © Foto: Archiv Großglockner Hochalpenstraßen AG

Bauarbeiten an der Straße Anfang der 1930er Jahre, © Foto: Archiv Großglockner Hochalpenstraßen AG

Verlauf der Großglockner-Hochalpenstraße mit Blick auf das Fuschertörl, links im Hintergrund der Mittertörltunnel und der Hochtortunnel, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Die Großglockner-Hochalpenstraße auf der Abzweigung zur Franz-Josefs-Höhe, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Der Straßenabschnitt auf die Edelweißspitze mit der originalen Kleinsteinpflasterung aus den 1930er Jahren und den blau-weiß gestrichenen Metallleitplanken aus den 1950er Jahren. Die Fahrbahn der Straße war anfänglich mit gewalztem Sand- und Schotterbelag gedeckt und wurde bis 1939 durch Pflasterungen und Asphalteinschlämmdecken staubfrei gemacht, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Das nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister 1935 errichtete „Gedenkzeichen“ am Fuschertörl, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Kontrollhaus und Toilettenanlage beim Glocknerhaus, 1954 von der Baufirma Dominik Spiluttini aus Bruck an der Glocknerstraße errichtet, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Wegmacherhaus Rossbach bei Heiligenblut, 1936 errichtet, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Aussichtsturm auf der Edelweißspitze, 1954/55 nach Plänen des Architekten Eduard Hütter (von 1913 bis 1945 Landeskonservator für Salzburg) von der Baufirma Dominik Spiluttini aus Bruck an der Glocknerstraße errichtet, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Eine der wenigen erhaltenen Notrufsäulen mit Straßentelefon, die von 1935 bis 1986 in Betrieb waren, © Foto: BDA, Stephan Bstieler

Die Großglockner-Hochalpenstraße wurde am 3. August 1935 eröffnet und steht nun unter Denkmalschutz

Anlässlich der Eröffnung der Großglockner-Hochalpenstraße vor genau 80 Jahren fand am 3. August 2015 in der Salzburger Residenz ein Festakt statt, zu dem die Betreibergesellschaft Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) eingeladen hatte. Im Rahmen der Veranstaltung gab es gleich mehrere Anlässe zu feiern: das 80. Betriebsjubiläum der Straße, die Präsentation der Buches „Die Großglockner Hochalpenstraße – Erbe und Auftrag“ und die rechtskräftige Unterschutzstellung der Straße mit zahlreichen Begleit- und Infrastrukturbauten, wie Straßen- und Tunnelwärterhäuser, WC-Anlagen, Shops, Aussichtsbauwerke und Parkplätze.
Feierlicher Höhepunkt der Veranstaltung war die Unterzeichnung eines „Denkmalpflegeplans“, in dem erstmals für ein Baudenkmal in Österreich die Ziele für die weitere denkmalgerechte Erhaltung festgeschrieben wurden. Hintergrund dafür ist, dass Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen an der Großglockner-Hochalpenstraße aufgrund der eingeschränkten Bauzeit zwischen Schneeräumung und Hauptsaison sowie zur Aufrechterhaltung der Straßensicherheit kurzfristig und anlassbezogen ohne Verzögerungen durchgeführt werden müssen. Das bringt die Frage mit sich, wie eine denkmalpflegerische Grundsatzabstimmung gestaltet werden kann, die für eine definierte Art von Reparaturen und Instandsetzungsmaßnahmen einen Konsens bildet und ein rasches Agieren des Straßenbetreibers ermöglicht. Auf dieser Grundlage wurde zwischen der GROHAG und dem Bundesdenkmalamt ein „Denkmalpflegeplan“ erarbeitet, der Planungssicherheit herstellt und geeignet ist, die Herausforderungen für die denkmalpflegerischen Abläufe zu lösen.
Auf den Tag genau vor 80 Jahren, am 3. August 1935, wurde die 48 Kilometer lange Großglockner-Hochalpenstraße feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Ausschlaggebend für den Bau der Straße waren die Grenzverschiebungen nach dem Ersten Weltkrieg. Bedeutende Gebirgsstraßen im damaligen österreichischen Alpenraum (Stilfserjochstraße, gebaut von 1820 bis 1825; Dolomitenstraße, gebaut von 1895 bis 1909) gingen verloren, was ein wesentliches Argument für den Bau „eigener“ Hochgebirgs- und Aussichtsstraßen in der Zwischenkriegszeit war. Als richtungsweisende Vorläuferin dieser Epoche ist sowohl für die Großglockner-Hochalpenstraße als auch für die wenig später begonnene Wiener Höhenstraße die 1929 eröffnete Gaisbergstraße in Salzburg anzusehen, die heute jedoch weitgehend verändert ist.
Die zwischen 1930-1935 errichtete und später, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren, ausgebaute Großglockner-Hochalpenstraße war das ehrgeizigste Straßenbauprojekt der Ersten Republik. In erster Linie als touristische Aussichtsstraße und als Verkürzung der bestehenden innerösterreichischen Straßenverbindungen über die Alpen gedacht, wurde der Bau nach der Formel, die Straßenbau mit Arbeitsbeschaffung gleichsetzte, durch das Dollfuß-Schuschnigg-Regime propagandistisch im Kampf gegen die damals herrschende Massenarbeitslosigkeit eingesetzt. In den 26 Baumonaten sind von bis zu 2.400 Arbeitern in 1,8 Millionen Arbeitsschichten 870.000 Kubikmeter Erde und Fels bewegt, 115.750 Kubikmeter Mauerwerk geschaffen und 67 Brücken gebaut worden. 16.100 Randsteine sicherten die Fahrbahntrasse bei Fertigstellung. In Abständen von etwa zwei Kilometern war die Straße mit SOS-Fernsprechen ausgerüstet, die an hohen Holzpfosten mit kleinen schindelgedeckten Dächern montiert waren. 14 Prozent des gesamten Österreichischen Straßenbaubudgets flossen damals in den Bau der Großglockner-Hochalpenstraße.
Die Farbgebung der Geländer, Hinweis- und Orientierungstafeln wurden bereits von Ingenieur Franz Wallak, dem Erbauer und treibender Kraft hinter der berühmtesten Alpenstraße Österreichs, in der Kombination Blau-Weiß als Erkennungsfarbe dieser Straße gewählt – ein farbliches Kürzel für die hochalpine Landschaft (Himmel und Schnee). Dieses übergreifende Design ist bis heute eine Art „Corporate Identity“ der Straße geblieben.
Als Gedenkraum für den ermordeten Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, für den Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl, dem Bauleiter Wallak sowie für die Opfer während der Bauführung der Straße errichtete man im Sommer 1935 am Fuschertörl einen eingeschossigen Hallenbau mit pyramidenförmig gemauertem Dach, das so genannte „Gedenkzeichen“. Im Zuge eines Architekturwettbewerbs, an dem sich 48 Künstler beteiligten, wählte Bundeskanzler Kurt Schuschnigg schließlich nicht das Siegerprojekt von Architekt Rudolf Perthen, sondern den drittgereihten Entwurf Clemens Holzmeisters für die Ausführung des „Gedenkzeichens“. Der Bau sollte die Trassierung um den Törlkopf architektonisch betonen.
Wallak erwartete sich zunächst maximal 120.000 Besucher pro Jahr. Bereits wenige Jahre nach Eröffnung verdoppelte sich diese Zahl. Derzeit zählt die Straße mit beinahe einer Million jährlichen Besuchern zu den am meisten besichtigten Sehenswürdigkeiten des Landes. Gäste aus der ganzen Welt sind damals wie heute fasziniert von der einzigartigen Panoramafahrt auf der sich perfekt in die Landschaft einfügenden Straße hinauf in das Hochgebirge und zu Österreichs höchstem Berg.
Nach mehreren Jahren der Vorbereitung und intensiver Verhandlungen mit der GROHAG wurde die Großglockner-Hochalpenstraße als Meisterleistung der Ingenieurskunst der Zwischenkriegszeit und als wesentliches Kulturgut Österreichs im Mai 2015 durch das Bundesdenkmalamt unter Denkmalschutz gestellt.

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