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Ratifizierung der Konventionen von Faro und Valletta

Tumulus in Falkenberg, Strettweg (Steiermark) Copyright BDA

Falkenberg, Strettweg (Steiermark) Copyright BDA

Glashütte / Reinischkogel (Steiermark) Copyright BDA

Glashütte / Reinischkogel (Steiermark) Copyright BDA

St. Zeno-Hügel, Serfaus (Tirol) Copyright Pöll

St. Zeno-Hügel, Serfaus (Tirol)
Copyright Pöll

Burg Ras / Turne Copyright BDA

Burg Ras / Turne Copyright BDA

Anlässlich der Ratifizierung der Konventionen von Faro und Valletta durch die Republik Österreich im Jahr 2015 findet im Bundesdenkmalamt am 26. November 2015 eine Veranstaltung statt. Zwei Vorträge befassen sich mit Weg der beiden Konventionen von der Auflage zur Zeichnung bis zur Ratifizierung durch die Republik Österreich und mit der Implementierung der Konventionen durch die Denkmalbehörde.

Faro, das Rahmenübereinkommen des Europarats über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft, wurde am 27. 10. 2005 zur Zeichnung aufgelegt, durch Österreich am 5. 6. 2014 gezeichnet und am 23. 1. 2015 ratifiziert; in Kraft getreten ist die Faro Konvention in Österreich am 1. 5. 2015. Valletta (die Schreibweise variiert in den Konventionstexten und scheint u.a. als Valetta oder La Valette auf), das europäische Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes, wurde am 16. 1. 1992 zur Zeichnung aufgelegt, durch Österreich am 5. 6. 2014 gezeichnet und am 23. 1. 2015 ratifiziert; in Kraft getreten ist die Valletta Konvention in Österreich am 24. 7. 2015.


Highlight der Veranstaltung am 26. November im BDA ist die Ehrung von vier Eigentümer_innen von Denkmalen für ihr herausragendes Engagement im Denkmalschutz. Sie werden mit Denkmalschutzmedaillen ausgezeichnet:

Das Ehepaar Alfred und Brigitte Tschuggmall ist im Besitz des markanten kleinen St. Zeno-Hügels in Serfaus in Tirol, auf dem einst der hochmittelalterliche Turm der Herren von Serfaus stand. Als das Wohnhaus der Familie neu errichtet werden sollte, schaltete das Ehepaar Tschuggmall das archäologische Institut der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ein und initiierte damit ein längeres Forschungsprojekt. Zwischen 2000 und 2004 kam es zu Ausgrabungen, bei denen die erwarteten Überreste des hochmittelalterlichen Turms und seines Inventars freigelegt wurden; dabei tauchten aber auch Funde auf, die wesentlich älter sind und die Nutzung des Hügels in Spätantike und Bronzezeit belegen. Damit nicht genug, ließ das Ehepaar Tschuggmall in den Jahren 2005/2006 einen Schutzbau über den freigelegten und fachgerecht konservierten Mauern errichten, in dem auch die Kleinfunde ausgestellt sind. Ausstellungskonzept und Vitrinengestaltung gehen auf Studierende der Universität Zürich zurück. Das von Architekt Klaus Mathoy aus Ried im Oberinntal geplante Gebäude aus Lärchenholz vereinigt Schutz- und Museumsfunktion, weist in seiner Form dezent auf den einstigen Wohnturm hin und betont damit die topografische Situation innerhalb der charakteristischen Landschaft. Dem außerordentlich engagierten Einsatz des Ehepaars Tschuggmall ist es zu verdanken, dass die archäologischen Hinterlassenschaften heute vor Ort zu besichtigen sind. Grabung, Mauerkonservierung und Schutzbau wurden weitestgehend privat finanziert. Herr Tschuggmall präsentiert zudem als Gemeindearchivar selbst bei in regelmäßigen Führungen die archäologischen Fundstücke einer breiten Öffentlichkeit.

Am steirischen Reinischkogel liegt der seit 1627 von der der Familie Klug bewirtschaftete Bauernhof vulgo Klugbauer. Ein zugehöriges Waldstück trägt den bezeichnenden Namen „Glaserwiese“, der auf den Standort einer der für die Koralm typischen Waldglashütten hinweist. Im Gelände sah man gerade so viel, dass auf Initiative der Eigentümerfamilie durch Archäologen des Archeo Norico Burgmuseum Deutschlandsberg eine Grabung treffsicher angesetzt werden konnte. Deren Ergebnisse waren überraschend: Glasöfen in ausgezeichnetem Erhaltungszustand und eine Umenge an Funden und Produktionsabfällen wurden freigelegt, darunter ein komplett erhaltenes Glasbläserwerkzeug. Die inzwischen denkmalgeschützten Überreste der zwischen 1620 bis 1660 betriebenen Waldglashütte des damaligen Augustiner-Chorherren-Stiftes Stainz zählen zu den bedeutendsten Denkmalen frühneuzeitlicher Glasherstellung in Österreich. 2013 entschloss sich die Familie Klug in Abstimmung mit den Archäologen und dem Bundesdenkmalamt, die gesamte Ausgrabungsstätte mit einem zur Gänze aus Holz errichteten Gebäude einzuhausen. In diesem klimatisch perfekten Schutzbau sind die beindruckenden Öfen von einer frei zugänglichen Innenplattform aus zu besichtigen; zusätzlich belegen ausgestellte Fundstücke die ausgezeichnete Qualität des hier produzierten Glases. Die einzigartige, in Eigeninitiative geschaffene Anlage wurde beim Tag des Denkmals präsentiert und findet regen Anklang bei vielen Besucher_innen und Wander_innen.

Nahe bei Judenburg in der Steiermark liegt die Fundstelle des weltberühmten Kultwagens von Strettweg. Er war im 19. Jahrhundert in einem schon stark gestörten großen hallstattzeitlichen Hügelgrab entdeckt worden. Der Kultwagen gelangte nach Graz, letztlich ins Joanneum und wurde zum Glanzstück des Museums. Vor Ort, in Strettweg, geschah gut eineinhalb Jahrhunderte lang dann allerdings kaum etwas. Erst 2004 begann man sich in der archäologischen Forschung wieder intensiv mit dem Fundplatz zu beschäftigen und stellte endlich die richtigen Fragen – gab es ungewöhnlicherweise nur ein Hügelgrab? Wo ist denn die in der Nähe zu erwartende große Siedlung? Und man fand den richtigen Partner vor Ort: Einen aus Interessierten gebildeten Arbeitskreis, der sich seit 2011 um Finanzierung, Infrastruktur, Kontakte, Medienarbeit, Ausstellungen, Veröffentlichungen und tausend Kleinigkeiten kümmert. Der Arbeitskreis nannte und nennt sich nach der inzwischen aufgespürten riesigen hallstattzeitlichen Höhensiedlung am Falkenberg. Inzwischen sind mehrere große Hügelgräberfelder durch geophysikalische Prospektionen erkannt und dann auch unter Denkmalschutz gestellt worden. Ausgrabungen im Ackerland haben bedeutende neue Funde und Befunde vor deren Zerstörung im Zuge der weiteren Bewirtschaftung gerettet. Eigens angestellte Restaurator/innen haben in internationaler Zusammenarbeit mit der Konservierung der Funde von europäischer Bedeutung begonnen. Fachgespräche in Judenburg tragen zur wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Erschließung des großartigen archäologischen Erbes bei. All dies wäre ohne das Engagement des Arbeitskreises Falkenberg mit seinem Obmann Dr. Franz Bachmann unmöglich gewesen.

Im kärnterischen Schlatten bei St. Jakob im Rosental steht der Mikelhof, bekannt durch die in Epos und Schauspiel lebendige Geschichte der 1478 von den Türken verschleppten Miklova Zala (Rosalie Mikel). Ihre Nachkommen bewohnen und pflegen nach wie vor diesen Mikelhof, zu dem auch die nahe gelegenen Ruinen der Burg Ras/Die Turne (Gradišče na Turnah) gehört. Die Familie Mikel – ganz besonders der erst kürzlich verstorbene Franz Mikel – hat sich seit immer für ihre Burg sehr interessiert und dann ab der Jahrtausendwende begonnen, die eigenen speziellen Ideen zu einer Erforschung und sanften Nutzung umzusetzen. Dazu gehörten und gehören Sicherungs- und Sanierungsarbeiten, die zusammen mit Freunden und Bekannten und sehr viel Eigenleistung und Gefühl für die Authentizität des Originals stattfinden. Dazu gehören aber auch topografische Vermessungen und archäologische Grabungen, zunächst mit dem Museum Kranj, dann mit dem Institut für Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Die Befunde und die bei der Familie Mikel liebevoll und fachgerecht aufbewahrten Funde geben Einblick in das Leben in der Burg und in die mittelalterliche Sachkultur der Region. Die Familie Mikel hat ihre inzwischen unter Denkmalschutz stehende Burg im Zusammenhang mit ihrer Familiengeschichte neu belebt, ohne Aura und Natur des Ortes zu beschädigen. Die aktive und individuelle Vermittlung des Denkmals durch die Eigentümer – auch beim Tag des Denkmals – hat vielen Besucher/innen und vor Ort tätigen jungen Studierenden aus Österreich und Europa ein wichtiges Stück des archäologischen und kulturellen Erbes einer slowenischsprachigen Region näher gebracht.

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