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Februar

Sensationelle Entdeckung: Eine farbenprächtige Wappenscheibe von Erzherzog Ferdinand II.

Wappenscheibe Erzherzog Ferdinands II., 1574
© BDA  

Wappenscheibe Erzherzog Ferdinands II.,1574, Detailansicht
© BDA 

Wappenscheibe Erzherzog Ferdinands II., 1574, Detailansicht
© BDA 

Porträt Erzherzog Ferdinand II., nach 1557, Francesco Terzio (um 1523 Bergamo - 1591 Rom (?)
© KHM-Museumsverband 

 Schloss Ambras/Tirol, Außenansicht
© BDA

Ein kunst- und kulturhistorisch besonders interessantes und seltenes Stück renaissancezeitlicher Glasmalerei, das 2015 im Rahmen einer Kunstauktion zur Versteigerung gelangte, wurde als schutzwürdig eingestuft. Der Verbleib im Inland auf Schloss Ambras in Tirol ist nunmehr sichergestellt.

Die 1574 datierte, 70 mal 42,5 Zentimeter große Glasscheibe zeigt, eingefasst von einer späteren violetten Glasumrahmung, die Darstellung des so genannten „Großen Wappens“ von Erzherzog Ferdinand II. (1529 bis 1595) mit der Collane des Ordens vom Goldenen Vlies. Die vom Erzherzogshut bekrönte Kartusche des Sammelwappens verweist unter anderem auf die Länder Ungarn, Böhmen, Steiermark, Kärnten, Krain, Kastilien, Tirol und Österreich unter der Enns. Eine Inschrift in einem von Roll- und Beschlagwerk begrenzten Feld im unteren Viertel der Scheibe hebt die Herrschaftsbezüge des Stifters nochmals hervor. Blaue Schmelzfarbenmalerei, Silbergelb, Schwarzlotmalerei und rotes Überfangglas verhelfen der technisch am Entwicklungsstand der Zeit befindlichen Scheibe zu beeindruckender Farbenpracht.

Wie sich im Rahmen der fachlichen Prüfung herausstellte, handelt es sich bei der in erstaunlich gutem Erhaltungszustand befindlichen Wappenscheibe um eines von wenigen noch erhaltenen Glasgemälden aus der Regierungszeit Erzherzog Ferdinands II. und das einzige in Österreich befindliche Beispiel seiner Art.

Erzherzog Ferdinand II., der seit 1547 in Böhmen als kaiserlicher Statthalter fungierte, übernahm nach dem Tod seines Vaters Kaiser Ferdinand I. im Rahmen der Erbteilung die Herrschaft über Tirol und Vorderösterreich. Als Landesfürst zählt Ferdinand II. zu den herausragendsten Herrscherpersönlichkeiten des Landes Tirol. Außer durch sein politisches Wirken tritt Ferdinand auch durch seine begeisterte und systematische Sammeltätigkeit in Erscheinung. Seine Kunstsinnigkeit und ausgeprägte Sammelleidenschaft kommt heute noch anschaulich auf Schloss Ambras zum Ausdruck, das Ferdinand II. für seine Frau Philippine Welser zum Renaissanceschloss ausbaute und dessen Sammlungsbestände auf ihn zurückgehen. Mit einer großen Gedächtnisausstellung zum feierlichen Einzug Ferdinands II. in Innsbruck vor 450 Jahren ehrt Schloss Ambras Innsbruck 2017 den Tiroler Landesfürsten.

Stiftungen von Glasgemälden durch die habsburgischen Landesherren waren durchaus üblich und sind vielfach belegt. So hat etwa Kaiser Maximilian I. (1459 bis 1519) eine Serie von 20 Rundscheiben für sein Jagdschloss Lermoos in Tirol in Auftrag gegeben. Erhalten haben sich davon aber lediglich zwei Stücke und zwar jeweils in einer ausländischen Sammlung. Dokumentiert ist auch ein großartiges Projekt einer repräsentativen Glasmalereiausstattung für die Innsbrucker Hofkirche, das von Kaiser Ferdinand I. begonnen und von seinem Sohn Ferdinand fortgesetzt wurde. Für die Vollendung wurde der aus Feldkirch stammende Glasmaler Thomas Neidhart herangezogen, der im Jahre 1574 nachweislich auch zwei, von Erzherzog Ferdinand II. in Auftrag gegebene Scheiben für die Heiligblutkapelle der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Oswald in Seefeld in Tirol geliefert hat. Eine Identifizierung der neu entdeckten Wappenscheibe mit diesen Seefelder Glasmalereiarbeiten liegt – nach Ansicht der Glasmalereiforschung - nahe.

Für die einzigartige Wappenscheibe wurde nach Prüfung durch die Abteilung für bewegliche Denkmale – Internationaler Kulturgütertransfer im Bundesdenkmalamt aufgrund der besonderen Bedeutung für das heimische Kulturgut eine Ausfuhrbewilligung nicht in Aussicht gestellt und die Einleitung einer Unterschutzstellung angekündigt. Eine Abwanderung ins Ausland konnte verhindert werden. Besonders erfreulich ist, dass die Scheibe durch die Landesgedächtnisstiftung Tirol erworben werden konnte und nun in Schloss Ambras Innsbruck als Dauerleihgabe sowohl der Öffentlichkeit präsentiert wird als auch der Wissenschaft für Forschungen zur Verfügung steht.

Weiterführende Literatur: 
Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 2016, Heft 1/2

 

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