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Alle Jahre wieder!
Kirchenrestaurierungen vom Seewinkel bis in die Uhudlerregion

Die von Karl Holey 1931 umgebaute Kirche Hl. Nikolaus von Andau im Nordburgenland

Die von Karl Holey 1931 umgebaute Kirche Hl. Nikolaus von Andau im Nordburgenland © BDA Martina Oberer-Kerth

Karl Holey, Denkmalpfleger und Dombaumeister von St. Stephan, war der bedeutendste Architekt für bur

Karl Holey (1937-1955), Denkmalpfleger und Dombaumeister von St. Stephan, war der bedeutendste Architekt der burgenländischen Sakralarchitektur der Zwischenkriegszeit © ZIAV 1956
 

Detail des Deckenbildes von Otto Landwehr, mit einer Ansicht der umgebauten Kirche

Detail des Deckenbildes von Otto Landwehr, mit einer Ansicht der umgebauten Kirche, 1951 © BDA Martina Oberer-Kerth

Das Innere der rk Pfarrkirche Hll. Apostel Simon und Judas Taddäus in Mitterpullendorf nach Wiederhe

Das Innere der rk Pfarrkirche Hll. Apostel Simon und Judas Thaddäus in Mitterpullendorf nach Wiederherstellung der gründerzeitlichen Wandmalerei © BDA Martina Oberer-Kerth

Die Vorlage für die gelungene Wiederherstellung des historischen Raumeindrucks  der rk Pfarrkriche H

Die Vorlage für die gelungene Wiederherstellung des historischen Raumeindrucks  der rk Pfarrkriche Hll. Apostel Simon und Judas - ein altes Foto aus der Zeit um 1900! © privat

Die katholsiche Pfarrkirche Hll. Apostel Simon und Judas Thaddäus in Mitterpullendorf nach der Resta

Die katholische Pfarrkirche Hll. Apostel Simon und Judas Thaddäus in Mitterpullendorf nach der Restaurierung © BDA Martina Oberer-Kerth

Welch reizendes Kirchlein - die 1925/26 errichtete Filialkirche hl. Dreifaltigkeit in Glasing

Welch reizendes Kirchlein - die 1925/26 errichtete Filialkirche hl. Dreifaltigkeit in Glasing nach den behutsamen Restaurierungsmaßnahmen © BDA Martina Oberer-Kerth

Der Kirchenmaler Johann Pomper prägte im 20. Jahrhundert das Erscheinungsbild vieler südburgenländis

Der Güssinger Kirchenmaler Johann Pomper (3.v.l.) prägte im 20. Jahrhundert das Erscheinungsbild vieler südburgenländischer Kirchen © Paul Hajszány, Bilder-Chronik der Stadt Güssing, Güssing 1990, S. 407

Südburgenländische Auswanderer vor dem Büro der

Südburgenländische Auswanderer vor  dem Büro der "Compagnie Generale Transatlantique" in Güssing, 1922 © Katalog der Burgenländischen Landesausstellung "... nach Amerika", Güssing 1992, S. 120

Auch 2011 konnte eine Vielzahl von Restaurierungen kirchlicher Objekte erfolgreich abgeschlossen werden – einige sollen an dieser Stelle in einer Leistungsschau kirchlicher Denkmalpflege beispielhaft gewürdigt werden.

Am Rande der pannonischen Tiefebene findet sich nahe an der Grenze zu Ungarn die kleine Ortschaft Andau (ung.: Mosontarcsa) mit der katholischen Kirche Hl. Nikolaus:

1931 wurde hier unter Einbeziehung eines Vorgängerbaus eine der ersten modernen Kirchen des Burgenlandes errichtet. Federführender Architekt war Karl Holey (1879–1955), Professor an der TU Wien, Denkmalpfleger in der k.k. Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale, später am Bundesdenkmalamt, sowie Dombaumeister von St. Stephan (1937–1955). Im Juli 1931 erfolgte die Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus unter der Schirmherrschaft des Patronatsherrn Erzherzog Friedrich (1856–1936), bis zur Enteignung 1919 erlauchter Bewohner der „Albertina“. Bereits ein halbes Jahr später im Oktober 1931 wurde die Kirche vom damaligen Wiener Kardinal Friedrich Gustav Piffl (1864–1932) geweiht. Bei dem umfassenden Umbau wurde der Altarraum durch einen quadratischen Langhausbau ersetzt. Der Turm der ursprünglichen Kirche erhielt einen ziegelgeschmückten runden Aufsatz, der mit den neuen Doppeltürmen korrespondiert. Wilhelm Bormann (1885–1938) gestaltete den Hochaltar, die Entwürfe zu den figural gestalteten Fenstern stammen von Reinhold Klaus (1881-1963), Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule, das Deckenbild mit dem jüngsten Gericht wurde 1951 gemeinsam mit anderen Wandmalereien vom Wiener Prof. Otto Landwehr geschaffen. Dieses wichtige Dokument der Zwischenkriegsarchitektur des Burgenlandes wurde nun behutsam restauriert: Es erfolgten die Freilegung bzw. Restaurierung der Wandmalereien, der devastierte Terrazzoboden wurde erneuert sowie die Kirchenbänke im Rahmen der Altarraumneugestaltung adaptiert.

Durch die aktuelle Restaurierung im Erscheinungsbild aufgewertet, wurde die katholische Pfarrkirche Hll. Apostel Simon und Judas Thaddäus in Mitterpullendorf (ung.: Középpulya). Der mächtige, im Zentrum des Ortes in parkartiger Umgebung situierte Bau wird noch in der neueren Literatur als „unansehnlich“ bezeichnet. Zu Unrecht, wie sich bei den nun gesetzten Maßnahmen gezeigt hat, deren Durchführung nur aufgrund des Engagements eines angesehenen Mitglieds der Pfarrgemeinde machbar war. Dessen intensive Recherchen förderten historische Fotos zutage, die eine Rekonstruktion der gründerzeitlichen Fassung der Raumschale ermöglichten: Damit wurde für die reiche, jedoch inhomogene Ausstattung aus der Zeit des Barock bis ins 20. Jahrhundert ein adäquater Rahmen geschaffen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Färbelung des Äußeren gelegt, wobei das durch die neogotischen Elemente der Fassadenneugestaltung um 1870 gründerzeitlich geprägte Erscheinungsbild berücksichtigt wurde. Dem ursprünglichen Gestaltungskonzept vieler historistischer Bauten entsprach die Einfärbigkeit, die sich am Winckelmannschen Ideal einer auf der reinen Form basierenden monochromen Kunst der Antike orientierte. Damit hatte sich in der klassizistischen Architektur eine blasse monochrome Farbigkeit durchgesetzt, die bis weit ins 19. Jahrhundert nachwirken sollte. Der Architekt Gottfried Semper (1803-1879) publizierte seine bahnbrechenden Erkenntnisse zu einer „kolorierten“ Kunst der Antike bereits 1834, in der Praxis gelangte zumeist nur eine „strukturale“ Polychromie, d.h. die farbliche Belebung der Außenerscheinung durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien zur Umsetzung. Die Putzfassaden des Historismus wirkten durch das Spiel von Licht und Schatten auf den plastisch ausgebildeten Architekturdetails sowie aufgrund der Verwendung von Kalk niemals eintönig. Demgemäß wurde die seit Jahrzehnten angewendete barockisierende Zweifärbigkeit in Mitterpullendorf gemäß dem Farbkonzept der Umgestaltungsphase von 1870 modifiziert. Im Rahmen des heurigen Tag des Denkmals wird der Landeskonservator über die erfolgreiche Restaurierung berichten.

Besonders hervorzuheben ist die Restaurierung der Filialkirche hl. Dreifaltigkeit in Glasing (ung.: Kiskolozsvár), wo die Zusammenarbeit mit engagierten Vertretern der Pfarrgemeinde erfolgreich verlief: Die idyllisch am Fuße des Stettnerbergs im Strembachtal, unweit des urigen Kellerviertels von Heiligenbrunn gelegene Ortschaft im Südburgenland gehörte stets der Pfarre St. Jakob in Güssing an. Bereits vor dem ersten Weltkrieg gab es Bemühungen, ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Das mühsam gesammelte Geld fiel der Geldentwertung von 1919 zum Opfer. Die Grundsteinlegung der Filialkirche erfolgte erst wenige Jahre nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich, am 4. Oktober 1925, die Weihe am 26. September 1926. Der reizende kleine Saalbau mit Fassadenturm, der nach Plänen von Baumeister Johann Neubauer aus Jennersdorf, unter der Leitung des Baumeisters Alois Schwarz aus Mogersdorf errichtet wurde, besticht durch sein weitgehend ursprüngliches Erscheinungsbild mit vollständig erhaltener Ausstattung in spätnazarenischem Stil, der Hochaltar stammt vom im Güssinger Raum seit 1920 bis in die 1950er Jahre tätigen Kirchenmaler Johann Pomper. Bei der nunmehrigen Restaurierung konnten die Betonfliesen des Fußbodens im Altarraum ergänzt, eine Musterfläche der Architekturmalerei freigelegt und Restaurierungsmaßnahmen an der Deckenmalerei sowie an der Einrichtung durchgeführt werden. Ein Teil der Gesamterrichtungskosten in der Höhe von ca. 22.300,- Schilling wurde 1925 mit der namhaften Summe von 4000,- Schilling (zum Vergleich: ein Paar Damenschuhe kostete damals ca. 32,- Schilling) von nach Amerika ausgewanderten Glasinger Bürgern mitfinanziert. Selbst die erste größere Außensanierung 1965/67 wurde massiv von ehemaligen Glasinger Bürgern in den USA mitunterstützt. Damit ist die kleine Dorfkirche auch ein Denkmal der Auswanderung der Burgenländer nach Amerika. Ungünstige soziale und ökonomische Bedingungen hatten, insbesondere im Südburgenland, seit 1885 zu einer Massenbewegung geführt: 1919 bis 1923 sollten insgesamt 13.638 Burgenländer in die USA auswandern, wo sie sich großteils im so genannten „german belt“ ansiedelten d.h. in den Landstrichen zwischen New York und Chicago, wo deutsche Siedler vermehrt sesshaft wurden. Bis heute künden zahlreiche „Amerikanerkreuze“ in südburgenländischen Gemeinden von diesem traurigen Kapitel in der Geschichte des Burgenlandes…

Die architektonischen Ausformungen dieser drei Bauten sind recht unterschiedlich – so bieten wie im Fall von Andau und Glasing, zwei fast gleichzeitig errichtete bzw. umgebaute Kirchen auch ein Abbild der wirtschaftlichen Möglichkeiten ihrer Zeit. Ebenso differenziert waren die Problemstellungen bei diesen Restaurierprojekten – von der Rekonstruktion eines Raumeindrucks bis zur behutsamen Instandsetzung unter Beibehaltung der ursprünglichen Erscheinung.

Partner bei diesen Restaurierprojekten war das Bauamt der Diözese Eisenstadt, seit kurzem unter neuer Leitung: DI Markus Zechner, Absolvent der TU Graz, mit nationaler und internationaler Reputation zum Thema Denkmalpflege und Bauforschung, wurde mit 1. Februar 2012 zum Leitenden Baukurator und Diözesankonservator ernannt. In einer ersten Reaktion auf seine Bestellung versprach Zechner, "die Bauaufgaben der Diözese Eisenstadt unter schwieriger werdenden Bedingungen nachhaltig in die Zukunft zu führen." Das Landeskonservatorat hat bereits mit DI Zechner zusammengearbeitet und freut sich über einen fachkompetenten Mitstreiter in denkmalpflegerischen Belangen.

Weiterführende Literatur:
Franz Bunzl, Neue Strukturen – neue Bauten. Die Gründerzeit des Burgenlandes. In: Schlaininger Gespräche 11 (1991)
Eduard Laky / Wolfgang Tretter, Glasing. Ein Dorf im Südburgenland, o.O. 2001
Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Oberpullendorf (= ÖKT LVI) 2005
 

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