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Das Tahara–Haus des Währinger jüdischen Friedhofs in Wien – eine Neubelebung

Zustand 2011
© Silvana Feurer

Zustand 2011
© Silvana Feurer

Zustand 2011
© Manfred Appinger

Hauptfassade
© BDA, Bettina Neubauer

Eingangsportal
 © BDA, Bettina Neubauer

Betraum, Blick zum Thoraschrein
© BDA, Bettina Neubauer

Betraum, Blick in den Friedhof,
© BDA, Bettina Neubauer
 

Rückfront zum Friedhof 
© BDA, Bettina Neubauer

Das sanierte Tahara-Haus (Friedhofswärterhaus) des jüdischen Friedhofs in Wien Währing wurde am 7. Okober 2012  von Honoratioren des jüdischen Lebens in Wien und hohen Vertretern der Stadt feierlich wieder eröffnet.

Abseits des tosenden Verkehrs entlang des vielbefahrenen Gürtels liegt nahezu unbemerkt der Währinger jüdische Friedhof. Aufgrund der Sanitätsverordnung Josephs II. wurde er 1784 angelegt und war bis zur Eröffnung des Wiener Zentralfriedhofes 1874 die wichtigste Begräbnisstätte der Jüdischen Gemeinde Wiens. Annähernd 30.000 Personen wurden hier in rund 9.000 Gräbern bestattet. Klassizistische und nachklassizistische, neogotische und historistische Grabsteine und Grabhäuser zieren die Grabstätten berühmter Rabbiner und Persönlichkeiten der Habsburgermonarchie wie Adam Nathan Freiherr von Arnstein, 1838, und Gemahlin Fanny Arnstein, 1818, David Wertheimer, 1817 oder B. Salomon Spitzer, 1870.

Nun konnte mit finanzieller Unterstützung der Stadt Wien das neben dem Haupteingang des Friedhofs liegende Tahara-Haus durch das Architekturbüro DI Ivan D. Weinmann instandgesetzt werden. Das Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude wird dem Architekten Joseph Kornhäusl zugeschrieben und zeigt sich als symmetrischer kubischer klassizistischer Bau mit eingeschossigen Flügeln und zweigeschossigem Mittelteil. Der einzige Zierrat der schmucklosen Fassaden ist ein klassizistischer Sarkophaggiebel mit geflügelter Sanduhr in der Mitte über dem Eingang.

Nach umfangreichen Voruntersuchungen konnten die Sanierungsmaßnahmen des jahrelang leerstehenden Objektes erarbeitet werden. Der erste Schritt der Umsetzung des Sanierungskonzeptes war eine notwendige Mauerwerkstrockenlegung; die Putzflächen wurden entsprechend dem Altbestand ergänzt, wobei Putzflächen im Inneren und Äußeren gehalten und konserviert werden konnten. Da der Zustand der Fenster und der Portale eine Instandsetzung nicht mehr zuließ, wurden diese gemäß Bestand und Farbbefund neu hergestellt und die Portale mit einem Ölanstrich versehen.

Auf Grundlage der Baualterpläne wurden bauliche Veränderungen und Adaptierungen vorgenommen. So war es der Wunsch des Bauherren, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, neben einer Wohnung im Obergeschoss auch eine Informationsstelle im Erdgeschoss einzurichten, um Besucherinnen und Besucher des jüdischen Friedhofes Währing die Geschichte des Friedhofes und der jüdischen Traditionen nahezubringen. Das Tahara–Haus erhielt überdies einen Betraum, der hinkünftig eine wichtige Rolle im jüdischen Gemeindeleben Wiens einnehmen soll – als Zeichen einer lebendigen jüdischen Gemeinde.

Mit der Eröffnung des Friedhofswärterhauses konnte nun ein Stück des jüdischen historischen und kulturellen Erbes dem Vergessen entrissen werden.
 

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