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Aus einer Zeit des Umbruchs

Wandmalerei Pfarrkirche Frankenmarkt - aus der Darstellung des 5. Gebots: Ein Wegelagerer ersticht einen Mann.

Das Sakrament der Ehe. Darstellung in Gewändern des frühen 16. Jahrhunderts.

Ein Auge fehlt: Schließen von entstellenden Fehlstellen durch Restauratorin Heike Tinzl.

Darstellung einer Frau: Die Malschicht ist großteils verloren, aber die schwungvolle Unterzeichnung ist sichtbar.

Darstellung eines Männerkopfs: starke Beschädigung, nicht retuschiert.

Detail aus der Darstellung des Jüngsten Gerichts.

Landschaft im Stil der so genannten "Donauschule", 1525-30.

Die Kunst der Restauratorin ist gefragt: Schließen von Fehlstellen und minimale Retusche. 

Vision der Hl Theresia. Altarblatt der Pfarrkirche Frankenmarkt von Martino Altomonte 1727, nach Restaurierung. Foto: Hofinger

Die Pfarrkirche Frankenmarkt in OÖ bezeugt in der künstlerischen Innenausstattung den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance und das Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Protestantismus.
Die Restaurierung der Wandmalereien und des Altars wurden 2012 abgeschlossen.

Die bedeutende spätgotische Pfarrkirche in Frankenmarkt mit ihrem interessanten, aus dem Sechseck entwickelten Langhaus wurde in den 1760er Jahren in Rokokoformen umgestaltet.
2011/2012 wurden die 1959/60 freigelegten Wandmalereien an der Nordwand des Chores neuerlich konserviert.

Protestantisch oder katholisch?

Die bisher in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Malereien zeigen ein lebensnahes Abbild ihrer Zeit. Stilistisch zwischen Spätgotik und Renaissance stehend – um 1525-30 entstanden – folgen die Darstellungen inhaltlich einem komplizierten theologischen Konzept, das wohl von einem katholischen Gelehrten stammt, aber viel Gedankengut des damals sich verbreitenden Protestantismus in sich trägt.

Gemalt sind die Darstellungen von einer aus mehreren Mitarbeitern bestehenden Werkstatt. Sie behandeln eine für das ausgehende Mittelalter bedeutsame Themenfolge: die Zehn Gebote, die Engelschöre mit der Himmelfahrt Mariens, die Sakramente und das Jüngste Gericht. Die Maler nützten dies aber, um Menschen aus ihrer Zeit, bekleidet in zeitgenössischer Tracht, bei unterschiedlichsten Tätigkeiten darzustellen. Dazu zählen auch Mord und Schlägerei. Lebendige Landschaftsdarstellungen im Donauschulstil gehören zum Besten der Zeit.

Freilegung 1959 verursachte Schäden

Die Malereien wurden 1959 teilweise von Unkundigen freigelegt, auch die damalige Freilegungstechnik der Restauratoren mittels Hämmerchen bewirkte Kratzer und oft völlige Verluste der Malschicht, sodass der Erhaltungszustand äußerst unterschiedlich ist. Bestens erhaltenen Partien stehen Pinselvorzeichnungen zur Seite, manches ist völlig zerstört. Aber gerade die Vorzeichnungen zeigen eine lebendige, wilde Formensprache und lassen damit den künstlerischen Entstehungsprozess erkennen.
Bei der aktuellen Restaurierung stand die weitere Sicherung im Vordergrund. Manche Partien wurden gereinigt, andere leicht retuschiert, um die Malereien wieder besser lesbar zu machen. Eine völlige Freilegung und ein Retuschieren der Fehlstellen waren aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Altomonte in Frankenmarkt

Eine besondere Geschichte ist auch mit dem Altar der Pfarrkirche verbunden: Er kommt aus der ehemaligen Karmelitinnen-Kirche (heute: Kirche der Barmherzigen Brüder) in Linz.
Bei der Auflösung des Karmelitinnen-Ordens durch Joseph II. wurde der mächtige barocke Hochaltar mit Bildern von Martino Altomonte (bezeichnet 1727) nach Frankenmarkt gebracht.
Die Restaurierung des Altars wurde 2012 abgeschlossen.
 

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