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Strahlendes C-DurRestaurierung der Richter-Orgel in Freistadt

Orgelpositiv von Lorenz Franz Richter nach der Restaurierung.

Bei der Kollaudierung: Mag. Bernhard Prammer (Verein Labyrinthus), Mag. Gerd Pichler (BDA), Orgelbaumeister Christian Kögler, Irmi Sternbauer (Pastoralassistentin), Dir. Mathias Kreischer (Landesmusikschule Freistadt), Bürgermeister Mag. Christian Jachs.

Der Blasebalg kann auch manuell bedient werden.

Herausgerissene Prospektpfeifen boten einen trostlosen Anblick. Foto: B. Prammer.

Zustand 2009: Durch Vandalismus schwer beschädigt.

Die Prospektpfeifen waren völlig zerstört.

Zwei originale Schleierbretter. Foto: B. Prammer.

Aus einem fast hoffnungslosen Zustand konnte das Orgelpositiv von Lorenz Franz Richter in Freistadt (OÖ) gerettet werden. Die Initiative des Vereins Labyrinthus machte dies möglich.

Das spätbarocke Orgelpositiv aus der Freistädter Johanneskirche, stand zuletzt in der Kapelle des ehemaligen Landeskrankenhauses in Freistadt. Nach dem Verkauf des Gebäudes fühlte sich niemand für die Orgel zuständig, das wertvolle Instrument geriet in Vergessenheit.
Im bereits leer stehenden Gebäude wurde die Orgel 2009 durch einen Vandalenakt von Einbrechern schwer beschädigt: Orgelpfeifen wurden herausgerissen und zerbrochen, Teile von Schnitzwerk und Gehäuse zertrümmert. Ein trostloser Anblick und schlechte Bedingungen für den Erhalt des seltenen Instruments!

Auf Initiative von Mag. Bernhard Prammer wurde die Orgel 2010 durch eine Schenkung an den Kulturverein Labyrinthus, einem Verein zur Förderung der Barockmusik, übertragen. Bernhard Prammer hat gemeinsam mit dem Verein die Sicherung, Restaurierung und Erhaltung des Orgelpositivs von Lorenz Franz Richter zu seinem persönlichen Anliegen gemacht.

Eine charakteristische Richter-Orgel

Lorenz Franz Richter stammte aus einer Linzer Orgelbauerfamilie. Er übernahm durch Einheirat die schon in dieser Zeit sehr berühmte Orgelbauwerkstatt in Freistadt. Die Freistädter Richter-Orgel wurde vermutlich zwischen 1760 und 1780 in dieser Werkstatt erbaut und ist das einzige bekannte, nahezu vollständig erhaltene Orgelpositiv dieses Orgelbauers in Österreich.

Das Orgelpositiv besitzt vier Register auf einem Manual (Gedackt 8´, Flöte 4´, Prinzipal 2’, Mixtur 1 1/3’) und wurde als dreiteiliger Prospekt mit Mittelturm als hinterspielige Anlage errichtet. Der Unterkasten weist an der Frontseite sparsamen Schnitzdekor aus der Zeit auf. Den Mittelturm dekorieren zwei Schleierbretter, die seitlichen Füllungen im Oberkasten sind als Pfaffengitter ausgeführt.

Restaurierung von Orgelpositiv und Prospekt

Mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesdenkmalamt, das Land OÖ, die Stadtgemeinde Freistadt und den Verein Labyrinthus konnte die Restaurierung in Auftrag gegeben werden.
Am 11. April 2013 fand in der Stadtpfarrkirche Freistadt die Kollaudierung der Richterorgel statt. Bei einem solchen Anlass werden alle Register gespielt, um Klang und Stimmung nach der Restaurierung zu hören und zu prüfen.

Hochinteressant war die Arbeit an dieser Orgel, fand der Orgelbaumeister Christian Kögler. Durch Verwendung historischer Werkzeuge wie Handhobel und Stechbeitel bei der Restaurierung gelang es die Schäden zu reparieren und ein authentisches Erscheinungsbild herzustellen. Die vorderen Prospektpfeifen waren durch den Vandalenakt völlig zerstört und konnten in einer Zinnbleilegierung mit dem charakteristischen matten Glanz wiederhergestellt werden. Auch eine innen liegende Holzpfeife in C wurde originalgetreu rekonstruiert.
Das Gehäuse hatte zuletzt einen weißen Öllackanstrich, der im Zuge der Restaurierung entfernt wurde. Darunter konnte die Originalfassung - eine rotbraune Marmorierung in Kaseintechnik - freigelegt werden. Die Schleierbretter wurden neu gefasst, die fehlenden Teile wiederhergestellt.

Stimmung nach dem System Kirnberger

Die Stimmung einer Orgel ist ein heikles Unterfangen, rein mathematisch geht sich eine Aufteilung der 12 Töne nämlich nicht aus. Die Orgelbauer sprechen von einem Komma, einem Rest, der übrig bleibt, wenn man den Tonraum in Quinten aufteilt. Beginnend mit einem c wäre das eine Oktav höhere c bei diesem ganz mechanischen Aufteilen der Töne zu hoch. Und das würde das menschliche Ohr als sehr störend wahrnehmen. In der Barockzeit, aus der dieses Instrument stammt, hat Johann Philipp Kirnberger dafür eine Temperierung vorgeschlagen, die auch bei der Stimmung dieser Orgel angewendet wurde. Die so genannte Kirnberger III Stimmung aus 1779 gibt jeder Tonart einen charakteristischen Klang: so wird C-Dur schwingungsfrei gestimmt, was zu einem besonders reinen und klaren Klangerlebnis führt.

Wesentlich für die Orgellandschaft Österreichs

Nicht nur für Freistadt, sondern für die Orgellandschaft ganz Österreichs ist die Restaurierung der Richterorgel ein wesentlicher Beitrag, so Gerd Pichler, Leiter der Abt. Spezialmaterien und Orgelexperte des Bundesdenkmalamts. In der Gesamtheit stellt das Instrument ein wesentliches Beispiel für den oberösterreichischen Orgelbau des 18. Jahrhunderts dar.

Von der ursprünglichen und unverwechselbaren Klanggestalt kann man sich beim Eröffnungskonzert in der Stadtpfarrkirche Freistadt am 26. April 2013 um 12 Uhr überzeugen.
 

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