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Zurück zur ArchitekturHans Hollein (30. März 1934 in Wien; † 24. April 2014 ebenda)

ehemalige Boutique Christa Metek © Hollein

ehemaliges Kerzengeschäft Retti © Hollein/Hubmann

Schullin I © BDA

 

Schullin II © BDA

Bronzeblatt an der Fassade der Tabaktrafik © BDA

Haas Haus © BDA

weit auskragendes Dach bei der Albertina © BDA

Volksschule Köhlergasse © BDA 

Anlässlich des 80. Geburtstages, des kürzlich verstorbenen Architekten Hans Hollein (30. März 1934 in Wien; † 24. April 2014 ebenda) werden exemplarische denkmalgeschützte Meisterwerke des Universalkünstlers in seiner Geburtsstadt Wien vor den Vorhang geholt.

Mit fünf Miniaturarchitekturen schuf Hans Hollein gebaute Manifeste, die sein Werk über die Jahrzehnte veranschaulichen und die sich heute angenehm in der Wiener Innenstadt bestaunen lassen:

Das ehemalige Kerzengeschäft Retti (1965), Kohlmarkt 8-10, besticht als Ikone der Moderne nach wie vor durch seine prägnante Aluminiumfassade. Das kleine, nur 14 Quadratmeter große Geschäftslokal, mit dem Hans Hollein internationale Bedeutung und Ansehen erlangte, wurde 1986 unter Denkmalschutz gestellt.

Mit der Christa Metek Boutique, Tegetthoffstraße 3, schuf Hollein 1967 ein weiteres zeitloses Werk der Pop-Ära (Denkmalschutz seit 2005).

Bemerkenswerte Beispiele der Postmoderne in Wien stellen die Juwelierläden Schullin I (1974; Denkmalschutz seit 2004), Graben 26-27, und Schullin II (1982; Denkmalschutz seit 2004), Kohlmarkt 7, dar.

Die Tabaktrafik (1992; Denkmalschutz seit 2010), Graben 31, zeigt Hollein erneut als Grenzüberschreiter im Bereich Kunst, Design und Architektur.

Die vielen Querbezüge, Zitate und Anspielungen, die wesentliche Bestandteile der Collage-Architektur Holleins darstellen, können bei den fünf genannten Boutiquen im 1. Wiener Gemeindebezirk in ihrer Gesamtheit und direkt vor Ort am Objekt, zusammen mit der Umgebung, gesehen und verstanden werden. Aus diesem Grund ist der Erhalt der in einer Entwicklungslinie stehenden fünf kleinen Lokale in situ von besonderer Bedeutung. Sie verdeutlichen in enger Nachbarschaft dieses Zusammenspiel im Stadtraum besonders gut und zeigen in einmaliger und anschaulicher Weise darüber hinaus auch die Entwicklung eines der bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts unter Beibehaltung seiner Entwurfsauffassung und in gleich bleibendem typologischen Kontext. Einerseits selbstbewusste Einzelwerke, sind die Läden andererseits für die Rezeption von Holleins Arbeiten für den Bautypus Kleingeschäft jedoch in ihrer Gesamtheit und als Vervollständigung einer chronologischen Reihe besonders wichtig.

„Es ist dem Bundesdenkmalamt ein besonderes Anliegen, nicht nur für die uneingeschränkte Erhaltung der Werke von Hans Hollein Sorge zu tragen, sondern auch bei allen Fragen der Restaurierung und Konservierung höchste Ansprüche geltend zu machen“, sagt Landeskonservator HR Dr. Friedrich Dahm.

In der Wiener Innenstadt befinden sich noch weitere Werke Holleins: der 1971 geplante ehemalige Laden Sektion N in der Schulerstraße 16 (Denkmalschutz seit 1984), das 1990 eröffnete Haas-Haus am Stephansplatz (Denkmalschutz seit 2012), das von Hollein gefasste Archäologiefeld am Michaelerplatz (1992), das Lokal Lichtforum Zumtobel in der Jasomirgottstraße 3-5 (1996; Denkmalschutz seit 2005) sowie das markant weit auskragende Dach (2003) bei der Albertina.

Einen besonders herausragenden Schulbau schuf Hans Hollein 1979 bis 1990 in der Köhlergasse 9 im 18. Bezirk. „Der aufeinander bis ins Detail abgestimmte Formen-, Farben- und Materialreichtum dieser Schule ist wirklich beeindruckend“, meint dazu Wolfgang H. Salcher vom Bundesdenkmalamt. „Der spielerische und gleichzeitig präzise Umgang mit Raum ist unglaublich faszinierend, Postmoderne at its best.“

Sämtliche genannten Bauten stehen unter Denkmalschutz und werden durch das Bundesdenkmalamt, Abteilung für Wien betreut.

Hans Holleins Werk beschränkt sich jedoch nicht nur auf Wien, sondern reicht von Museumsbauten, wie zum Beispiel das Museum Abteiberg in Mönchengladbach (1982), das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (1991) oder das Vulkanmuseum in Frankreich (2002), bis zur österreichischen Botschaft in Berlin (2001).
Hans Hollein ist als Architekt und Künstler in den wichtigsten Sammlungen von berühmten Museen und Galerien vertreten (MOMA, New York; Centre Georges Pompidou, Paris; Victoria and Albert Museum, London; The National Museum of Modern Art, Kyoto; Albertina, Wien).
Architekt Hollein ist Träger zahlreicher Preise und Ehrungen (Preis der Stadt Wien für Architektur, 1974; Großer Österreichischer Staatspreis, 1983; Deutscher Architektur Preis, 1983; The Chicago Architecture Award, 1990; Grand Prix der VII. Architekturbiennale Buenos Aires, 1998) und erhielt bereits 1985 den Pritzker-Preis, die höchste Auszeichnung für ArchitektInnen.
Als bislang einziger österreichischer Pritzker-Preisträger steht Hans Hollein in einer prominenten Reihe mit Philip Johnson, Luis Barragán, James Stirling, I.M. Pei, Richard Meier, Kenzo Tange, Oscar Niemeyer, Frank Gehry, Aldo Rossi, Robert Venturi, Alvaro Siza, Tadao Ando, Zaha Hadid, Renzo Piano, Norman Foster, Rem Koolhaas, Richard Rogers, Jean Nouvel, Peter Zumthor und anderen.

[…] I have always considered architecture as an art. To me architecture is not primarily the solution to a problem, but the making of a statement. Within the two poles of architectural activity, architecture as ritual, and architecture as a means of preservation of body-temperature, my search is for the absolute, as well as for the needs and constraints, which also generate form. […]
Hans Hollein anlässlich der Pritzker-Preis-Verleihung 1985.

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