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Der Schöne Brunnen in Schloß Schönbrunn

Schöner Brunnen mit Statue der Rhea Kybele von Wilhelm Beyer im Vordergrund.
© BDA/Bettina Neubauer

Schöner Brunnen mit Quellnymphe Egeria © BDA/Bettina Neubauer

Quellnymphe Egeria von Bildhauer Wilhelm Beyer © Österreichische Nationalbibliothek

Inschriftenstein Kaiser Maximilians II. © BDA/Bettina Neubauer

© BDA/Bettina Neubauer

Schöner Brunnen mit Schutzdach während der Restaurierung © BDA/Bettina Neubauer

Restaurierung (2. Etappe) durch Karner&Kosco Restauratoren
© BDA/Bettina Neubauer

Schöner Brunnen, Blick in die Kuppel
© BDA Bettina Neubauer

Quellnymphe Egeria von Wilhelm Beyer
© Karner&Kosco-Restauratoren

Die Restaurierung des Schönen Brunnens bildet den Schluss- und Höhepunkt einer über zwanzig Jahre andauernden Kampagne zur Restaurierung der bedeutenden Gartenarchitekturen und Figurengruppen in dem seit 1996 als UNESCO Welterbe eingetragenen Park von Schloß Schönbrunn.

 

Der Schöne Brunnen gab der prachtvollsten Schlossanlage Österreichs seinen Namen und stand doch immer im kühlen Schatten des Baumbestandes abseits der Haupterschließungsachsen und der sehr viel mächtigeren Baulichkeiten im Park des Schlosses.
Die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., die Österreichischen Bundesgärten und das Bundesdenkmalamt/Landeskonservatorat für Wien bemühten sich in Zusammenarbeit mit den verschiedensten FachrestauratorInnen, den historischen Garten und seine künstlerische Ausstattung entsprechend den letzten konservierungswissenschaftlichen Erkenntnissen in Stand zu setzen und dieses herausragende Gartendenkmal als beliebten städtischen Erholungsraum und als eines der wichtigsten touristischen Ziele der Stadt Wien seinem Namen entsprechend zu pflegen. Am 15. Mai 2014 wurde der Schöne Brunnen nach zweijähriger Restaurierung offiziell wieder in Betrieb genommen. "Es hat sich gelohnt, der Schöne Brunnen macht seinem Namen wieder alle Ehre" stellte die Presse zur gelungenen Restaurierung fest.

Der Schöne Brunnen ist ein etwas versteckt gelegener, verwunschener Ort der Ruhe und zugleich gedankliches Zentrum der Parkanlage. Eine berühmte Wiener Sage erzählt, dass Kaiser Matthias (1557–1619) während seiner Jagd im Wald eine Quelle entdeckt haben soll, die so schönes und köstliches Wasser spendete, dass er an dieser Stelle einen Brunnen bauen ließ, der dem Jagdschloss seinen weltberühmten Namen gab. Eine Brunnenquelle beim Katterhölzel lässt sich bereits im 16. Jahrhundert belegen, die Bezeichnung "Schönbrunn" für die Katterburg wird jedoch erst 1642 unter der Kaiserinwitwe Eleonora I. erwähnt. Schöner Brunnen war zu jener Zeit ein geläufiger Ausdruck für aufwendig gestaltete Brunnenanlagen. Daher kann wohl zum Zeitpunkt der Umbenennung des Anwesens von einer künstlerischen Ausgestaltung des namensgebenden Brunnens ausgegangen werden.
Der in der rechten Seitenwand des Schönen Brunnens verbaute Inschriftenstein, der mit einer stilisierten Bügelkrone mit Lilien- und Blumendekor und dem Doppelmonogramm mit den Buchstaben "MM" versehen ist, wurde in Zusammenhang mit der Quellenlegende meist als Quellenstein oder Matthiasstein angesprochen. „Der Inschriftenstein wurde nachweislich erst 1960 in den Brunnen versetzt“, fand Manuela Legen-Preissl vom Bundesdenkmalamt heraus. „Er war zuvor in der Umfassungsmauer des Schlossparks, nahe dem Maria-Theresientor, verbaut, wo sich noch heute ein fast identer Stein befindet.“ Im Zuge der laufenden Forschungen zum Schlosspark in Schönbrunn konnte die Inschrift eindeutig Kaiser Maximilian II. (1527–1576) zugewiesen werden, der 1569 die dort gelegene Katterburg und das umgebende Jagdrevier kaufte und einfrieden ließ. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Monogramm fälschlicherweise mit Kaiser Matthias I. und dem Brunnen in Verbindung gebracht.

Sein heutiges Aussehen verdankt der Schöne Brunnen der späten Regierungszeit Maria Theresias. Hofarchitekt Isidore Canevale stellte den Bau 1771 fertig. Ganz in Naturstein erhebt sich das kleine Brunnenhaus über quadratischem Grundriss mit eingezogenen Ecken, dessen felsig anmutende Mauern mit Tropfsteindekor versehen sind. Fünf Vasen, an denen scheinbar Kalksintertropfen hängen, bekrönen das kuppelförmige Dach. Eine hohe Rundbogenöffnung führt in das Innere. An den steinernen Wänden scheinen schilfartige Sumpfpflanzen aus den Felsen emporzuwachsen, auf deren Kolben, Ähren und spitz zulaufenden Blättern Schnecken und Muscheln hängen, die den kreisförmigen Raum in Form einer Girlande umspannen. Während die zwei Seitenwände mit Nischen versehen sind, öffnet sich der Innenraum an seiner Rückwand mit einer zweiten Rundbogenöffnung zur Landschaft des Schlossgartens. Der Rundbogen rahmt die von Wilhelm Beyer geschaffene Statue der Quellnymphe Egeria, die auf einer Felsformation Platz genommen hat. Aus der von ihr gehaltenen Urne plätschert das Wasser in das raumseitig gelegene Muschelbecken und lief einstmals über den Muschelrand auf die Felslandschaft am Boden. Im Schlosspark von Schönbrunn wurde das beliebte Sujet der Nymphengrotte mit der künstlerisch gestalteten Landschaft des Parks in Beziehung gebracht. Sprichwörtlich einen Steinwurf von der Statue der Egeria entfernt stehen eine Vasenskulptur und eine ebenfalls von Wilhelm Beyer geschaffene Statue der Rhea Kybele in der Gartenlandschaft von Schloß Schönbrunn.

Die Restaurierung
Adaptierungsmaßnahmen vergangener Zeit, dicke Staubablagen,
Spinnweben, massive Salzbelastungen und Fassungsverluste im Innenraum, Krusten und biogener Bewuchs aus Flechten sowie Moose am Außenbau gefährdeten die Substanz und trübten das Erscheinungsbild und die künstlerische Qualität des Kleinods im Schlosspark von Schloß Schönbrunn. Ständige Durchfeuchtung aufgrund der aufsteigenden Bodenfeuchtigkeit und des Regens, verstärkt durch die exponierte Lage, begünstigten diese Schadensbilder. In bewährter Zusammenarbeit zwischen der Schloß Schönbrunn Kultur und Betriebsges.m.b.H., dem Institut für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst und dem Bundesdenkmalamt als behördlicher Fachaufsicht bildete eine Diplomarbeit von Susanne Spornberger/Watts die Grundlage für die Restaurierung. Basierend auf dieser umfassenden konservatorischen Bestands- und Schadensaufnahme sowie einer detaillierten Analyse der Oberflächengestaltung konnte unter der Leitung von Diplomrestauratorin Susanne Beseler ein zweistufiges Maßnahmenprogramm erarbeitet werden.

Den Schwerpunkt der ersten Phase, durchgeführt von Restauratorin Susanne Sandner, lag auf der Optimierung der baulichen Situation. Mittels temporärem Schutzdach, sowie einer umlaufenden Drainagierung begleitet von archäologischen Grabungen von Paul Mitchell und der Entsalzung des Natursteinmauerwerks konnte die Trocknung des Gebäudes erreicht werden. Die zweite Etappe umfasste die konservatorisch restauratorische Bearbeitung der unterschiedlichen Steinoberflächen. „Ziel war es die künstlerische Aussagekraft des gleichsam aus der Natur wachsenden barocken Ensembles entsprechend den historisch belegten Grundlagen wiederzugewinnen“, sagt Landeskonservator HR Dr. Dahm. Dazu zählte auch die Rekonstruktion der durch labortechnische Befunde gesicherten, ursprünglich ölgebundenen Weißfassung der Architektur. Die Differenzierung zwischen felsartigem Naturstein und weiß veredelten bildhauerischen Elementen, ein Gestaltungskonzept, das auch die anderen großen Parkbauten in Schönbrunn wie etwa den Obelisken, die Römische Ruine oder den Neptun- oder die Ehrenhofbrunnen prägt, konnte auch im Schönen Brunnen nachvollzogen werden. Mit der Instandsetzung der zum Ensemble gehörenden Skulptur und der korrespondierenden Vase wurden das historisch gesicherte Erscheinungsbild und die barocken Sichtachsen mit der ursprünglich intendierten Verschränkung mit der Natur wiederhergestellt.

 

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