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Die Fassaden des Alten Landhauses in InnsbruckBauzeitlicher Zustand aus dem Barock wiederhergestellt

Altes Landhaus, Ansicht von Nordwesten, vor der Restaurierung © BDA

Altes Landhaus, nach der Restaurierung © BDA

Altes Landhaus, historische Ansicht vor 1808 © BDA

Altes Landhaus, nach der Restaurierung © BDA

Claudiana, vor der Restaurierung © BDA 

Claudiana, historische Ansicht vor 1808 © BDA 

Claudiana, nach der Restaurierung © BDA

Die Restaurierung der Fassaden des Alten Landhauses wurde über zwei Jahre von einer Arbeitsgruppe im Einvernehmen mit dem Landeshauptmann, dem Landtagspräsidenten und dem Bundesdenkmalamt vorbereitet.

Neben einer Recherche der historischen Ansichten wurde von Restaurator Dr. Pescoller eine detaillierte Befundung inkl. Laboranalysen durchgeführt. Diese Befundung bestätigte, dass die Fassaden ursprünglich - wie auf den historischen Darstellungen abgebildet - vollständig verputzt und gefärbelt waren.
Im späten 19. Jahrhundert waren Teile der Fassade dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend auf Steinsichtigkeit freigelegt worden. Das erklärt das bisherige Erscheinungsbild. Die in Innsbruck traditionellerweise als Baustein verarbeitete Breccie ist aber entsprechend grob und war nie auf Sicht gearbeitet. Sie ist letztlich auch nicht witterungsbeständig. Wie so oft legen Steinfreilegungen den Keim zur Steinzerstörung. Nicht selten ist eine Schlämme oder Neuverputzung auf Stein aus Gründen der Bestandserhaltung angeraten.

Bei der Suche nach dem Restaurierkonzept standen mehrere Varianten zur Diskussion:
a) Beibehaltung des gewachsenen Zustandes (teilweise Steinsichtigkeit, „bunte“ Farbigkeit in Silikonharz).
b) Eine Rückführung auf die Fassung von 1870 (Zeitpunkt der Steinfreilegung) mit der zu dieser Zeit aufgebrachten monochromen dunkelbraun/roten Fassung.
c) Wiederherstellung des barocken Erscheinungsbildes aus der Entstehungszeit.

Da mit Ausnahme der freigelegten Steinteile die komplette barocke Fassadenarchitektur erhalten ist, entschloss man sich einvernehmlich, den ursprünglichen barocken Zustand der Landhausfassaden wiederherzustellen.

Der Denkmalwert liegt hier eindeutig und schwergewichtig in der Integrität der Barockfassade, die aus dem Zusammenhang von Architektur und Farbgebung entsteht. Er liegt in diesem Fall nicht im gewachsenen Erscheinungsbild, das die Wertschätzung der Materialästhetik im 19. und 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Solche Entscheidungen sind im Einzelfall durch Abwägung auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen zu treffen und bedeuten keine Weichenstellung für die gesamte Innsbrucker Altstadt.
Die ursprünglich ebenfalls verputzten und im 19. Jahrhundert vollständig freigelegten Barockfassaden des Domes bzw. der Triumphpforte werden bei in Kürze geplanten Restaurierungen nicht auf das ursprüngliche Erscheinungsbild zurückgeführt, sondern im gewachsenen Zustand belassen bleiben.

Auch im Zuge der noch laufenden aufwendigen Fassadenrestaurierung der Claudiana, dem Alten Regierungsgebäude an der Herzog-Friedrich-Straße, ergibt sich die historische Chance auf Wiederherstellung des barocken Erscheinungsbildes des Alten Regierungsgebäudes, wie es auch auf alten Ansichten erkennbar ist:
Die beiden unteren Geschoße aus Höttinger Breccie waren ursprünglich mit einer dünnen Verputzschicht überzogen, die dieselbe Farbigkeit wie die Architekturgliederung und die Fensterrahmungen in den obersten Geschoßen aufweist.
Mit dem Wiederherstellen des Verputzes der beiden unteren Geschoße wird die architektonisch stringente Fassadengliederung wiedergewonnen, die durch die aus der Denkweise und Ästhetik des 19. Jahrhunderts stammende Steinsichtigkeit des Breccie-Sockels zuletzt einen zweigeteilten Eindruck vermittelt hat. Nicht nur historische Ansichten belegen diesen barocken Zustand (siehe Darstellungen von 1767 und 1808), sondern auch die während der Arbeiten genommenen und im Labor des Bundesdenkmalamtes untersuchten Verputzproben, die sich in den Vertiefungen der Fugen der Breccieblöcke erhalten haben. Auch die Art der Versetzung der Breccieblöcke spricht für eine Planung auf Verputz, da die Setzfugen der Steinquader nicht mit dem eingemeißelten Fugennetz in Einklang stehen.

Die Höttinger Breccie war der leicht verfügbare, in der Nähe abgebaute Werkstein, jedoch höchstens in der Form der nachträglich angesetzten Erdbebenpfeiler als steinsichtig gedacht.

Die Freilegung auf die Breccie erfolgte um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als dies dem allgemeinen Zeitgeschmack entsprach. Die letzte gründliche Restaurierung folgte diesem Bild, wobei mit den grauen Kolossalpilastern in den beiden obersten Geschoßen versucht wurde, die Zweiteilung der Fassade etwas abzumildern.
Das Aufbringen einer anschließend gefärbelten, dünnen Verputzschicht, die die Steinstruktur noch spürbar lässt, wurde auch vom Sachverständigenbeirat nach dem Tiroler Stadt- und Ortsbildschutzgesetz begutachtet und befürwortet.
 

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