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Von herausragender Bedeutung:
Archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese in Hallstatt

Holzstiege:
Mag. Hans Reschreiter (rechts) und Dr. Anton Kern im prähistorischen Bergbau unmittelbar vor Beginn der Transferierung der mittelbronzezeitlichen Holzstiege.

Copyright BDA, Foto: Mag. Heinz Gruber

Luftbild Schutzzone Salzbergtal:
Archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal uns Dammwiese mit rot umgrenzter Schutzzone: 1) Hallberg, 2) Rudolfsturm, 3) Prähistorisches Gräberfeld, 4) Wirtschaftsareal der prähistorischen Bergbaureviers, 5) Prähistorisches Bergbaurevier, 6) Dammwiese.

Bildnachweis: Kartierung auf Grundlage eines Luftbildes des Landes Oberösterreich.

 Schild Dammwiese:
Eine Tafel neben Wanderweg von Hallstatt nach Gosau erinnert an die frühe Erforschung des latènezeitlichen Bergbaureviers auf der Dammwiese.

Copyright BDA, Foto: Mag. Hans Gruber

Dammwiese:
Das idyllisch gelegene Areal des latènezeitlichen Bergbaureviers auf der Dammwiese, gelegen am Übergang vom Hallstätter Salzbergtal in das Gosautal.

Copyright: BDA, Foto: Mag. Heinz Gruber

Von herausragender Bedeutung: Archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese in Hallstatt


Eines der aufwändigsten Projekte für eine Unterschutzstellung eines Bodendenkmals in Oberösterreich wurde im vergangenen Jahr in Hallstatt durchgeführt. Mit der „Archäologischen Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese“ steht nun nicht nur ein Kulturdenkmal europäischen Ranges, sondern auch die flächenmäßig größte archäologische Fundzone Oberösterreichs unter Denkmalschutz.

Bereits im Jahre 1982 wurde vom Bundesdenkmalamt ein Teil der prähistorischen Anlagen im Salzbergtal auf Grundstücken der Österreichischen Salinen AG unter Schutz gestellt. Von diesem Zeitpunkt bis Ende des Jahres 2009 standen auch die Grundstücke der Republik Österreich, Österreichische Bundesforste, gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz kraft gesetzlicher Vermutung unter Denkmalschutz.

Aufgrund der neuesten Entdeckungen und Erkenntnisse aus den nach 1982 erfolgten archäologischen Grabungen und Forschungen lassen sich nun die Denkmale am Hallberg, im Salzbergtal und auf der Dammwiese in ihrer Gesamtheit als „Archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese“ grundlegend neu bewerten, eingrenzen und zusammenfassen. Es wurde daher eine neue und umfangreichere Schutzzone definiert, die mit insgesamt 40 Grundstücken bzw. Grundstücksteilen nun all jene Flächen umfasst, auf denen einerseits archäologische Befunde und Funde ober und unter Tage bekannt sind und auf denen andererseits mit größter Wahrscheinlichkeit mit dem Auftreten weiterer archäologischer Funde zu rechnen ist.

Die archäologische Denkmallandschaft beginnt knapp oberhalb des Marktes Hallstatt am sogenannten Hallberg in rund 600 m Seehöhe. Entlang des in das Salzberghochtal führenden Serpentinenweges konnten bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. etwa 20 Gräber der älteren und jüngeren Eisenzeit freigelegt und dokumentiert werden. 1877 wurde darüber hinaus an den flacheren Stellen des Hallberges eine fundführende Kulturschicht festgestellt. Zwischen 1849 und 2006 kamen zahlreiche Streufunde der Bronzezeit, der älteren und jüngeren Eisenzeit sowie der frühen römischen Kaiserzeit zu Tage, die darauf hinweisen, dass schon von Beginn des prähistorischen Salzbergbaues an hier ein Hauptzugang in das Salzberghochtal führte. Derzeit kann aber noch nicht geklärt werden, ob sich am Zugangsweg des Hallberges auch eine prähistorische Siedlungsstelle befunden hat.

Die Anhöhe des Turmkogels mit dem Rudolfsturm markiert den Beginn des Salzbergtales, das sich vom Turmkogel südlich des Mühlbaches auf rund 1,7 km Länge bis zum Hohen Wasserstollen auf rund 1220m Seehöhe erstreckt. Im Salzbergtal befinden sich das große und für die Hallstattkultur namengebende prähistorische Gräberfeld, die untertägigen prähistorischen Bergbaureviere und die dazugehörigen obertätigen Wirtschaftsareale.

Seit dem 19. Jh. konnten im prähistorischen Gräberfeld rund 1.500 Gräber freigelegt werden. Aufgrund der modernen Grabungen und des seit 1993 laufenden Forschungsprojektes der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien wird die Anzahl der Gräber auf insgesamt 5.000-6.000 geschätzt.

Anschließend an das Gräberfeld befindet sich im Umfeld des heutigen Schaubergwerkes das Wirtschaftsareal des prähistorischen Bergbaurevieres mit nachgewiesener Fleischverarbeitung des 14. vorchristlichen Jahrhunderts. Dort konnten bislang an mehr als 10 Stellen prähistorische Holzbecken nachgewiesen werden, die als Anlagen zum Pökeln von Fleisch interpretiert werden. Die Notwendigkeit der Instandhaltung der Bergbaue und die Fleischproduktion vor Ort erforderten eine ständige Anwesenheit von Menschen im Salzbergtal, weshalb die Forschung davon ausgeht, dass die im Bergbau arbeitenden Menschen auch im Salzbergtal wohnten. Die zu den prähistorischen Industrieanlagen gehörenden Siedlungen sind bisher noch nicht entdeckt.

Das Bergbaurevier der Bronze- und älteren Eisenzeit wurde letztlich durch eine Naturkatastrophe zerstört: Ein Schuttstrom verschüttete die Schächte und große Teile des zugehörigen Wirtschaftsareals und brachte den bis dahin florierenden Bergbau großteils zum Erliegen.

Das Bergbauareal des prähistorischen Bergbaureviers erstreckt sich auf die westlich oberhalb des Besucherstollens gelegenen Teile des Salzbergtales. In diesem Bereich befindet sich die Kernzone der bronze- und eisenzeitlichen Schachtbaue mit den untertägigen Bergbauen der sogenannten Westgruppe, Ostgruppe und Nordgruppe. Diese Bergbaue waren durch einen senkrechten Schacht von der Oberfläche aus erschlossen. Durch eine massive Erdrutschung im 3. vorchristlichen Jahrhundert liegen die Mundlöcher heute zum überwiegenden Teil unter der Erdoberfläche und sind archäologisch noch nicht erforscht. Einzigartig ist die zwischen 2003 und 2013 unter Tage freigelegte Holzstiege der mittleren Bronzezeit, deren Entstehungszeit in die Jahre 1344/43 v. Chr. datiert werden kann und die als älteste Holzstiege Europas gilt. Diese im Jahre 2014 im Rahmen eines Projektes des Naturhistorischen Museums abgebaute und mittlerweile konservierte und in allen Einzelteilen genauestens untersuchte Stiege wird derzeit an ihrem neuen Standort im Hallstätter Schaubergwerk in einer eigens geschaffenen Klimakammer wieder aufgebaut und wird schon heuer für alle Bergwerksbesucher zu besichtigen sein.

Südwestlich oberhalb des prähistorischen Bergbaureviers befinden sich auf der Hochfläche der sogenannten Dammwiese auf einer Seehöhe von rund 1350 m das Siedlungsareal und das Bergbaurevier der jüngeren Eisenzeit. Dieses Gebiet ist durch einen relativ schmalen Durchgangskorridor mit dem prähistorischen Bergbaurevier des Salzbergtales verbunden. Nach der Naturkatastrophe des 3. Jhs. v. Chr., in der die Bergbaureviere des Salzbergtales durch einen Schuttstrom verschüttet worden waren, verlagerte man die Bergbaue an diese Stelle. Hier entwickelte sich ab dem 2. Jh. vor Christus das Bergbauzentrum der Latènekultur, dessen Bestand bis etwa in die Zeit um 30 n. Chr. nachgewiesen werden kann.

Die archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese in Hallstatt ist aufgrund ihrer Dimension und des außergewöhnlich gut überlieferten Zustandes nicht nur einzigartig für Österreich, sondern gehört aufgrund der herausragenden wissenschaftlichen Bedeutung und langen Forschungstradition zu den europäischen und weltweiten archäologischen Denkmalen ersten Ranges.

Umso erfreulicher ist es, dass nun in enger Kooperation mit den Kollegen der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien die Grundlagen für die Unterschutzstellung erarbeitet und abgestimmt werden konnten. Die Grundeigentümer, Salinen Austria AG und Österreichischen Bundesforste, standen von Beginn an dem Projekt für die Stellung unter Denkmalschutz wohlwollend gegenüber. Allen Beteiligten ist zu danken, dass die archäologische Denkmallandschaft Salzbergtal und Dammwiese als Teil der UNESCO-Welterbestätte „Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut“ nun auch in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt werden konnte. Damit soll sichergestellt werden, dass diese bedeutende Denkmallandschaft als höchstrangiges und einzigartiges archäologisches Archiv, das einen Zeitraum vom 15. Jh. vor Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. umfasst, auch dauerhaft erhalten bleibt.
 

Buchtipp:
A. Kern, H. Kowarik, A. Rausch und H. Reschreiter (Hg.), SALZ-Reich. 7000 Jahre Hallstatt, Veröffentlichungen der Prähistorischen Abteilung, Band 2, Wien 2008.

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