Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Die Römersteinwand von Schloss Seggau in der SteiermarkEin eindrucksvolles Lapidarium braucht Konservierung und Pflege

Die Römersteinwand in Schloss Seggau war im Juli 2016 Ziel eines Monitoringprojekts. (c) BDA, Foto: Johann Nimmrichter

Die römischen Grabsteine wurden bereits im Mittelalter für den Burgbau verwendet. (c) BDA, Foto: Johann Nimmrichter

Durch die Hinterfüllung mit Nanokalk erfolgt eine strukturelle Festigung des Marmors.(c) BDA, Foto: Johann Nimmrichter

Die Arbeiten mit dem Laser erforderten spezielle Sicherheitsmaßnahmen. (c) BDA, Foto: Johann Nimmrichter

Bei näherer Betrachtung zeigt der Marmor ein bereits stark verwittertes Erscheinungsbild das durch Nanokalkbehandlungen konsolidiert werden konnte. (c) BDA, Foto: Johann Nimmrichter

Die strukturelle Festigung des Steins erfordert ein millimetergenau dosierte Applikation des Füllstoffs. (c) BDA, Foto: Murat Yasar

Im Juni 2016 führte die Abteilung für Konservierung und Restaurierung eine Probe- und Musterarbeit zur Sicherung der durch Witterungseinflüsse gefährdeten Spoliensammlung in Schloss Seggau durch.

Die zahlreichen Römersteine des Schlosses Seggau wurden 1831 als ständige museale Präsentation im Arkadengang und der dazu gehörigen Außenwand eingebaut. Aufgrund witterungsbedingter Einwirkungen stehen die Marmorsteine unter permanenter Belastung und benötigen dringend Erhaltungsmaßnahmen. Dazu hat die Abteilung für Konservierung und Restaurierung im Juni 2016 eine Probe- und Musterarbeit für eine Konservierungskampagne durchgeführt. Dabei wurden einige akut geschädigte Römersteine konservatorisch versorgt. Zudem wird an einem Gesamtkonzept gearbeitet, das neben der nachhaltigen Konservierung der geschädigten Steine auch Maßnahmenvorschläge enthält, die eine Verbesserung des Schutzes gegenüber Witterungseinflüssen ermöglichen.

Die Römersteine stammen von den Gräberfeldern der einstigen Römerstadt Flavia Solva (in der heutigen Gemeinde Leibnitz), welche sich am Fuße des Schlossberges befand. Die verwendeten Marmorsorten wurden aus der Untersteiermark, der Weststeiermark und Kärnten bezogen. Je nach Dauer der Aufstellung zeigten sich wohl schon am ursprünglichen Standort unterschiedlich fortgeschrittene Verwitterungserscheinungen. Noch im ersten Jahrtausend wurden die Römersteine quasi als „Steinbruch“ zur Gewinnung von Werksteinen zur Errichtung eines vorromanischen Wohnturmes der ehemaligen Burganlage auf dem Seggauberg verwendet. Für diese Zweitverwendung wurden die Steine aufbereitet und für die Schlichtung plastisch vorkragende Formen abgemeisselt. Das im 9. Jh. zum Erzbistum Salzburg gehörende Gebäude wurde in der Folge ab 1218 von den Seckauer Bischöfen verwendet und ist bis heute Sitz der steirischen Bischöfe.

Die Marmorblöcke waren durch den Einbau bis ca. 1816 relativ geschützt und wurden erst nach der Demolierung dieses Turmes wieder sichtbar. Ein großer Teil kam damals in das Landesmuseum Joanneum (zuletzt Schloss Eggenberg) nach Graz und ca. 130 Steine verblieben im Schloss Seggau. Diese wurden bis 1831 in ihrer dritten Verwendungsphase als permanente Schausammlung in Art eines Lapidariums in eine Arkadenwand eingebaut. Durch Putzrahmungen entstand eine scharfkantig geometrische Präsentation, sodass die Wirkung einer Bildergalerie zustande kam. Über nahezu 150 Jahre waren dann die Spolien unter mehreren Kalktünchen vor direkter Sonneneinstrahlung und anderen Witterungseinflüssen geschützt. Wie wirkungsvoll das war, kann im Vergleich mit den stets im Freien befindlichen Römersteinen in Schloss Eggenberg aufgezeigt werden.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jhs., als bei Sanierungsarbeiten die Tünchen abgeschabt wurden, setzte bei den Seggauer Römersteinen wieder ein Verfallsprozess ein, der primär aufgrund des thermischen Dehnungsverhaltens der Kalzitkristalle im Marmor verursacht wird. In weiterer Folge dringen Mikroorganismen und Algen in die offenen Korngrenzen ein und verbreitern in Zusammenspiel mit Wasser und Frost die Zwischenräume.

Permanentes Monitoring, welches seit 1993 durch das BDA erfolgte, musste leider eine zunehmende Verschlechterung der Marmoroberflächen dokumentieren. Waren es 1993 von 129 Steinen nur 11 Steine, welche akute Schäden zeigten, so waren es 2009 bereits 28 und 2016 bereits 38. Mit Ultraschallmessungen konnte allerdings nachgewiesen werden, dass es in den Tiefen des Marmors noch keine Schwächungen der Steinsubstanz gibt.

Als Restaurierziel wurde eine Beibehaltung des gegenwärtigen Erscheinungsbildes der Marmoroberflächen der Steine festgelegt. Wie die erweiterte Gesimsabdeckung bzw. Rahmung der einzelnen Römersteinumfassungen aussehen soll, ist noch in Diskussion. Derzeit sind sie ja in eine rezente, stark zementgebundene Verputzung eingebettet.

Im Rahmen der Probe- und Musterarbeit kam für die Reinigung neben mechanischen Feinwerkzeugen auch die Laserreinigung erfolgreich zum Einsatz. Ob es sich bei aufgefundenen Farbresten um römische handelt, wird noch vom Naturwissenschaftlichen Labor des BDA abgeklärt werden. Zur Stabilisierung der Kristalllagen des Marmors wurde in mehreren Arbeitsschritten Nanokalk injiziert. Dadurch konnten die kleinen offenen Zwischenräume zwischen den einzelnen Marmorkristallen aufgefüllt werden. Auf organische Konservierungsmaterialien wurde bewusst verzichtet. Kleine wasserableitende Anböschungen wurden ebenfalls in Kalkmörteltechnik mit geringen hydraulischen Zusätzen ausgeführt.

Wesentlich war die Festlegung und Dokumentation von Referenzobjekten für ein künftiges konzentrierteres Monitoring, das durch hochauflösende Laserscantechnologie unterstützt werden soll. Ziel ist es, durch gezielte konservatorische Maßnahmen und punktuelle Schutzvorrichtungen ein Gleichgewicht zu erreichen, das durch konsequentes Monitoring in Verbindung mit Pflege und Wartung aufrecht gehalten wird, anstatt groß dimensionierte Schutzbauten zu errichten.

 
 
 

Druckersymbol Druckversion